Donau Wanderfahrt 5. – 22. Juli 2019

Der vierte Teil unserer Donaureise führte uns dieses Jahr vom 5. Juli bis zum 22. Juli von Belgrad nach Ruse in Bulgarien. Diese Etappe mit etwa 680 km war geprägt von beeindruckenden Landschaften, sehr netten Begegnungen und einem tollen Team. Bei der Vorbereitung der Reise war auffällig, dass je weiter man sich von Belgrad entfernte, umso schwieriger bis unmöglich wurde es, Übernachtungsmöglichkeiten an jedem Etappenziel zu finden. Ein Auto war daher wichtig um zwischen Boot und Hotel zu pendeln. Wir mieteten uns wieder einen Kleinbus, wieder einen Ford Transit, dieses Mal aber in weiß. Besonders in den ländlichen Gegenden von Bulgarien wurde es auch schwer sich ohne Bulgarische Sprachkenntnisse zu verständigen. Aber es hat trotzdem alles gut geklappt, wir sind ja auch bereits zu routinierten Donauwanderfahrer 🙂 geworden. Dieses Mal haben wir das Schreiben des Berichtes aufgeteilt, Anja, Mati, Viktoria und Moritz haben je einen Teil geschrieben und mir (Eszter) blieb dann die Aufgabe, diese zu einem Gesamtwerk zu verbinden.

5. Juli 2019 – Prien – Belgrad – Die diesjährige Donauetappe startete am 5. Juli 2019 am Bootshaus. Anja hatte bereits am Vorabend den diesjährigen Ford Transit beim Vermieter in München abgeholt. Jetzt ging es wieder darum, ihn mit allem, was man so braucht zu bestücken. Da wir den Tollpatsch im Jahr vorher in Belgrad untergebracht hatten, waren wir dieses Mal ohne Hänger unterwegs. Das war ungemein komfortabel, auch wenn fast etwas fehlte als wir uns schließlich auf den Weg machten. Wir, das waren Eszter, Mati, Martin und Anja, sozusagen die erste Reisegruppe. Vier Fahrer, (ca.) vier Länder, die bis zum Ziel zu durchqueren waren. Also übernahm Martin die erste Tour durch Österreich, Anja Slowenien, Mati Kroatien und Eszter schließlich Serbien bis Belgrad. Mit lediglich wenigen Fahrerwechselpausen kamen wir nach ca. 900 km gegen Abend in Belgrad an.

6. Juli 2019 – Tollpatsch checken und Belgrad – Am nächsten Morgen ging es zum Ruderclub des Vereins Roter Stern Belgrad. Dort hatten wir den Tollpatsch im Vorjahr untergestellt. Wir waren gespannt, wie es ihm ergangen war und … es ging ihm mehr als gut. Er sah nicht nur sehr gut aus, sogar einige größere Reparaturen hatte der Verein vorgenommen. Das war mehr als toll. Nochmal ein ganz herzliches Dankeschön. Nächster Stopp war der Flughafen, um Viktoria und Rudi abzuholen bevor es dann gemeinsam auf einen kleinen Sightseeing Spaziergang durch Belgrad ging. Ziel war unter anderem der Dom des Heiligen Sava mit seiner prunkvollen Krypta bevor der Abend mit traditionellem Sarma endete.

Belgrad Sightseeing

7. Juli 2019 – Belgrad – Smederevo – Los ging es am nächsten Morgen vom Ruderverein mit zunächst 5 km auf der Save, vorbei an der Festung von Belgrad bis wir schließlich die Donau erreichten. Es hieß weitere 53 km bis zum Ziel zu rudern. Die Strömung war mäßig, die Sonne brannte, aber es ging gut voran.

Mittagessen auf Schiff

Nach einem kurzen Zwischenstopp und Landdienstwechsel erreichten wir das Mittagsziel, drei nebeneinanderliegende kleine Kähne in Grocka, auf denen jeweils ein Restaurant zu finden war. Das Anlegen am Restaurantponton war etwas kniffelig, aber Viktoria hatte vorher den besten Platz ausgekundschaftet. Nach Schopska Salat und gefühlten 10 Flaschen Wasser ging es weiter Richtung Smederevo. Dort wollten wir eigentlich bei einem der wenigen Rudervereine auf der Strecke anlegen. Da sie Matis schriftliche Anfrage in der Landessprache nicht beantwortet hatten, bemühte sich Rudi als Landdienst vor Ort, hatte aber kein Glück. Der Club sei privat. Es gab jedoch einen kleinen Hafen mit Fischerbooten, in dem wir sehr nett aufgenommen wurden und uns in einen der Liegeplätze mit viel Geduld einfädelten. Die erste Etappe war geschafft. Die Etappenunterkunft Villa Stasea überraschte uns mit riesigen und komfortablen Appartments. Schade war nur, dass die eingebaute Luxusdusche nur noch als Normaldusche funktionierte. Für das Abendessen gab es leckere Grillspezialitäten und wir verbrachten einen schönen Abend im Restaurant Barrique während es draußen ein starkes Gewitter unterging.

8. Juli 2019 – Smederevo – Velico Gradiste – 58 km standen am Dienstag auf dem Plan und schnell kam die Idee auf, die Strecke zu Dritteln, so dass bei sechs Ruderern jeder entweder einmal Landdienst machen oder einmal Steuern sollte. Auch kam hier zum ersten Mal die Idee auf, erst nach der ersten Etappe zu frühstücken; ein Prinzip, dass sich auch an anderen Tagen sehr bewährte, sei es, um der Hitze oder möglichen starken Winden zu entgehen. Bevor es losging mussten wir uns allerdings erst dem Problem stellen, dass es am Abend zuvor heftig gewittert und geregnet hatte, das Boot also voll gelaufen war. In der „Parkbucht“ gab es keine Möglichkeit, es zu entleeren, also turnte Eszter erst ins Boot und ruderte es dann zu einer Rampe, damit wir schöpfen konnten.

Boot ausleeren Smederevo

Frühstückshalt machten wir nach 22 km in Kostolac im Restaurant Danube Dragilj, idyllisch direkt an der Donau in einem kleine Donauarm gelegen. Ca. 13 km nach dem Ablegen wurde die Donau etwas breiter und starker Seitenwind von der Backbordseite kam auf, der oft an den Auslegern brach und  Wasser ins Boot reinkam. Aber den nächsten Halt gab es bei km 1077, also nach weiteren 5 km bei Ram. Ein schöner kleiner Badestrand mit Holzschirmen brachte Karibikfeeling während wir picknickten, da das einzige Restaurant im Ort geschlossen war. Nach dieser Erfahrung haben wir uns entschlossen, unser Boot abzukleben, da der weitere Verlauf der Donau nach dem Kanuführer windanfällig war. Wenige Kilometer nach dem Ablegen war auf der linken Flussseite die Grenze zwischen Serbien und Rumänien.

Tollpatsch in der Karibik

Daher mussten wir ab der Grenze mehr auf der rechten Flussseite rudern und Anlegen durften wir ausschließlich in Serbien, also immer rechts. Ab der Grenze wurde die Landschaft hügelig, was nach der langen Ebene eine willkommene Abwechslung brachte. Auf dem letzten Teil ging es bis Veliko Gradiste, wo wir in einem Nebenarm der Donau in einem kleinen Motorboothafen festmachten. Direkt hinter dem Hafen ist der Rest des Armes durch eine Art Staumauer abgetrennt. Dahinter befindet sich der Silbersee, ein touristisch genutzter Stausee, an dem auch ein Ruderclub beheimatet ist. Den touristischen Charakter kann man an den zahlreichen Restaurants und Ferienunterkünften erkennen. Bei einem der Bars haben wir mit Aperol & Co. den erfolgreichen Rudertag ausklingen lassen. Übernachtet haben wir in der Villa Barca.

Dienstag 9.7.2019 – Nach dem Ablegen in Veliko Gradište, bzw. der Silver Lake Marina (ca. 1062) gelangten wir bei 1047 wir vor die Insel Moldova, welche zu Rumänien gehört und die wir somit über den rechten Flussarm umruderten. Die Insel kann zu Teilen überflutet sein mit Baumstümpfen kurz unter Wasser. Wir hatten den Hinweis, dass ab 1050 am früheren Vormittag Gegenwinde kommen können. Dies war bei uns zum Glück nicht der Fall.

Die erste Pause erfolgte bei 1041 in der kleinen Hafenstadt Golubac. Angelegt wurde an der Golubačka Marina an der Straße Cara Dušana an einem breiten Ponton-Holzsteg (es gibt 3 Stege). Parkmöglichkeiten für den Landdienst gab es direkt in der Nähe bei der Tankstelle Adam Petrol und dem Busbahnhof. In der Kafana Zlatna Ribica gab es einen Nachmittagstisch, welcher ab 13 Uhr geöffnet hatte. Wir zeigten uns genügsam mit einem türkischen Kaffee in einem der schlichten Cafés in der Nähe. Der Ort bot zudem einen Chinesenmarkt für einen kurzen Shoppingexzess der männlichen Ruderschaft. Und unser Landdienst hat sogar einen Sitzkissen für den Steuersitz besorgt, farblich passend zum Interieur des Bootes. Fortgesetzt wurde die Fahrt in Richtung der Festung Golubac aus dem 14. Jh (Flusskm 1039). Beeindruckend war hierbei auch die Nähe der Festung zum Wasserspiegel, welches sich durch die Stauung der Donau ergeben hat. Ab da begann die erste Donau-Enge, die bis Flusskilometer 1025 verläuft. Der Fluss hat an manchen Stellen nur eine Breite von 150 m. Die Felswände rechts und links der Donau sind bis zu 600 m hoch und wirken entsprechend imposant. Sehenswürdigkeiten auf rumänischer Seite sind bei 1040,6 die Babakaj Felsen, sowie bei 1036,4 die Barosz Tafel. Barosz ist der ungarische Verkehrsminister, der 1886 die Donauregulierung in Angriff nahm. Bei 1029 sind die hervorragenden Granitfelsen Stenka Eck zu sehen. Von 1025,7-1015 erstreckt sich das Becken von Ljubcova, das bis zu 2 km breit ist. Ebenfalls gibt es da aufgrund der Stauung sehr viele versunkene Ortschaften. Ab 1015 erfolgte für 6 km die zweite Enge, die sogenannte Obere Klissura. 

Erste Enge

 Aufgrund angekündigter schlechter Wetterbedingungen für den folgenden Tag, entschieden wir bis zu Lepenski Vir zu rudern (1004), und nicht wie geplant bei Dobra (2021) eine Anlegestelle zu finden. Eine kleine Pause wurde dennoch an einem hohen Steinsteg bei Dobra gemacht, welche jedoch für ein Anlegen über Nacht nicht geeignet ist. Bei 1011 befand sich linkseitig die Tiberius-Gedenktafel, einem Straßenerbauer aus dem 14. Jh, der jedoch mittlerweile versunken ist.

Als Anlegemöglichkeit bot sich steil unterhalb der Gaststätte „Sport“ und den Parkplätzen vom Lepenski Vir (1004) ein kleiner, schmaler Kiesstrand an. Hierfür ruderten wir am Museum vorbei bis zum ersten sichtbaren Strand mit Campingwägen und einer kleinen Hütte. Dort befand sich auch ein kleiner Holzsteg sowie etwas versetzt ein Betonsteg, an dem jedoch Netze gespannt waren. Die Besitzer waren sehr freundlich und versicherten einen sicheren Liegeplatz für das Boot, das jedoch aufgrund des wechselnden Wasserstandes, gut angebunden werden musste. Als unsere treuen Begleiter für das Anlanden und Ablegen am nächsten Tag erwiesen sich die heimischen, zuckersüßen Hunde und schwimmenden Welpen.

Wir übernachteten im Haus einer sehr netten und hilfsbereiten Gastgeberin (Rooms Jankovic, Kralja Petra 33, Donji Milanovac), welches zentrumsnah und somit sehr gut gelegen war. Im fußläufig entfernten Restaurant Poreč aßen wir zu Abend. Zur Vorbereitung auf das Schleusen Djerdap 1 kontaktierten wir den Schleusenwärter zwei Tage zuvor unter der sehr schwer zu findenden Mobilnummer: +381/648362276. Der Schleusenwärter war sehr entspannt, er sagte, dass wir nur mit einem Berufsschiffer schleusen könnten und dass wir uns auch nicht nochmal melden brauchen, wenn wir bei der Schleuse sind

Mittwoch 10.8.2019 – Aufgrund der ungünstigen Wettervorhersagen und der bekannten starken Winde am Becken von Milanovac (999-984; 2 km Breite), haben wir entschieden am dem Morgen bereits sehr früh von Lepenski Vir loszurudern, um dann in unserer Pension in Donji Milanovac (990) das Frühstück um 9 Uhr einzunehmen. Leider hatte sich bei Mati und Anja das Mobiltelefon in das rumänische Netz eingeloggt – wir waren ja auch direkt an der Donau und somit an der Grenze zur Rumänien – und ihnen ein zu frühes Erwachen beschert (rumänische Uhrzeit ist um 1h früher).

Die gleiche Episode wurde von Viktoria so erlebt: Um 5.20 Uhr wachen die Crewmitglieder, die Zimmer zu Straße haben, durch das typische Geräusch unserer Bustür auf. Erster Gedanke: ‚jemand versucht unseren Bus zu klauen‘ und schon stehen drei verschlafene Gestalten auf dem Balkon. Wie groß ist die Überraschung als wir Eszter, Anja und Mati putzmunter unten am Bus sehen, die gerade ihr Gepäck einladen und uns anmachen, weil wir noch nicht fertig sind. Ausgemacht war: Treffen um 6.15 am Bus zum Einladen und Frühstück um 6.30 Uhr. Des Rätsels Lösung: Die Uhren der 3 hatten sich auf rumänische Zeit umgestellt :-). Zumindest wissen wir jetzt, dass wir nur früh genug aufstehen müssen, damit auch Anja und Eszter munter sind :-)).

Anlegen Donji Milanovac

Das Durchfahren des Becken von Milanovac erforderte durch die diversen Winde und die dadurch entstandenen Wellen entsprechendes Geschick beim Steuern. Für den Kap Greben (999), dem roten Felsen, der das untere Ende der oberen Klissura markiert, hatten wir entsprechend wenig Aufmerksamkeit. Das Anlegen in Donji Milanovac gestaltete sich günstig am Sportboothafen (Donji Milanovac Marina), welches sich direkt an der Einfahrt in die Stadt, nahe der Polizeistelle und einem errichteten Badestrand, befindet. Die Weiterfahrt erstreckte sich durch die dritte Enge, der sogenannten unteren Klissura (984-965,4), welche in die Abschnitte Oberen und Unteren Kazan eingeteilt werden, mit einer Breite von nur 150 m und der tiefsten Stelle der Donau (100 m, auch tiefste Flussstelle Europas). Die serbische Straße entlang der Donau präsentiert sich hier von ihrer abenteuerlichen und beeindruckendsten Seite, mit vielen Tunneln und fantastischen Aussichten für den Landdienst (Vorsicht Radfahrer und Felsbrocken entlang der Straße).

Nach der Einfahrt in den oberen Kazan (974) bis zur Ausfahrt (970), ist den begegnenden Schiffen nach Steuerbord (links) auszuweichen. In diesem Bereich ist die unleserliche Szechenyi Tafel zu sehen (973,3), sowie auf rumänischer Seite diverse Höhlen (ab 972,2 Bonikovo und Veterani). Die Höhlen werden durch viele kleine Ausflugsboote angesteuert. In dem engen Kanal, welche nur durch Felsen umgeben wird verursachen die Boote Wellen, die nicht aufhören wollen aufgrund der nicht vorhandenen Auslaufzone. Nach einer kurzen Verbreiterung der Donau über 1,5 km gelangten wir in die Einfahrt zum letzten Teil der Enge, dem unteren Kazan bei 968,8. Bei 967 erreichten wir unsere Anlegestelle, mit direktem Blick auf das gegenüberliegende große Felsbildnis des Decebalus, eines Stammeskönig der Daker, sowie einer kleinen orthodoxen Kirche. Die Anlegestelle gehört zum Grundstück eines privaten Bungalow-Projekts für genügsame Donau-Wanderfahrer, welches direkt neben der Nationalparkgrenze errichtet werden soll.

Einladung beim Gesicht

Empfangen wurden wir von einer netten Truppe gastfreundlicher Männer mit Kaffee, Bohneneintopf, selbstgemachtem Kirschsaft, Paprika aus dem Garten und frisch zubereitetem Wels, dem Fang des Tages „aus der Tiefen der Donau“. Die Anlegestelle war betoniert, breit und kurz entlang des Ufers, dann steil in den Hang verlaufend (Achtung Felsbrocken im Wasser und Wellen durch die Schifffahrt). Der danebenliegende Holzsteg war fürs kollektive Anlegen nicht benutzbar, da er nur noch aus Teilen bestand. Wir kehrten zurück zur Unterkunft in Donji Milanovac, beeindruckt von den Felsformationen der Donau-Karpaten. Den Nachmittag nutzten wir um das Lepenski Vir Museum zu besichtigen und unsere Hundefreundschaft zu vertiefen. Der Abend wurde im Restaurant Lepenac mit Essen und einer schönen Donauaussicht ausgeklungen.

Donnerstag, 11. Juli 2019 – Nach den Erfahrungen mit der Üppigkeit des Frühstücks am Vortag und aufgrund der frühen Uhrzeit hatten wir nur ein kleines Frühstück in unserer Pension bestellt. Der einzige Unterschied, den wir feststellen können: Statt 6 Riesenomeletts mit Speck gab es „nur“ 3 Omeletts ohne Speck. Wir haben zwar unser Bestes gegeben, konnten es aber trotzdem nicht schaffen alles aufzuessen. Unsere Gastgeber meinten es aber noch besser mit uns: als zweites Frühstück haben wir noch richtig leckere salzige Strudel und Joghurt mit auf den Weg bekommen. Kurz nach 7.00 Uhr brachen wir auf.

Kleines Frühstück

Am Liegeplatz erwartete uns eine unangenehme Überraschung: das große Fischerboot unserer netten Gastgeber vom Vortag lag jetzt auf der kleinen Betonmole und versperrte uns den Weg zum Wasser. Wir mussten den Tollpatsch mühsam über das Boot ins Wasser heben, was uns aber zum Glück schließlich gelang. Aufgrund der Komplikationen hat sich unsere Abfahrt um eine halbe Stunde als geplant verzögert, auf 8:30 Uhr.

Das Blaue über das Blaue

Wir ruderten durch eine wunderschöne Landschaft. Unterwegs hielt uns die rumänische Grenzpolizei auf und fragte nach unserem Woher und Wohin. Unsere Antworten fielen offensichtlich zu ihrer Zufriedenheit aus, so dass sie uns nur freundlich ermahnen, auf der serbischen Seite zu bleiben. Bis zur Schleuse Djerdap I gab es auf der serbischen Seite keine Anlegemöglichkeiten für uns. Aber wir hatten ja unser zweites Frühstück von unseren Gastgebern am Board!

In der Schleuse

Gegen 11.30 Uhr gingen wir ca. 2 km vor der Schleuse in Wartestellung. Wir haben einen Schubverband hinter uns entdeckt, mit dem wir zusammen schleusen wollten. Um 12.20 Uhr fuhren wir in die Schleuse ein. Derdap I ist eine Zwei-Kammer-Schleuse, entsprechend dauert die Schleusung gefühlt endlos lange (ca. 2 Stunden), zumal es auch sehr heiß ist. Die erste Kammer hat einen Höhenunterschied von 20 m, die zweite Kammer 14 m. Kurz nach der Ausfahrt aus der Schleuse legten wir rechts an einem schönen Sandstrand an, da alle nach dem langen, mehr oder minder bewegungslosen Sitzen in der Schleuse das dringende Bedürfnis hatten, sich zu strecken. Außerdem mussten ja auch noch die Reste unseres ‚kleinen Frühstücks‘ vertilgt werden.

Ca. 8 km nach der Schleuse erreichten wir Kladovo, das Endziel des heutigen Tages. Wir ruderten rechts um die Steinmole herum in den Hafen von Kladovo und landeten an einer Slipanlage aus Beton an. Wir lagerten den Tollpatsch oberhalb der Slipanlage auf einer Wiese. Freundliche rumänische Urlauber, die selbst rudern, halfen uns beim Tragen des Bootes. Die gebuchten Apartments sind nicht groß, aber sehr schön und sauber (Ajtrijum Apartments, Kladovo).

Freitag 12. Juli 2019 – Wir trafen uns wieder um 6.30 Uhr am Bus (diesmal alle zur richtigen Zeit :-). Auf dem Weg zum Hafen kauften wir Sachen für unser Frühstück ein. Wir legten um 7.30 Uhr in Kladovo ab, Mati hatte Landdienst und die Aufgabe einen schönen Platz für die Frühstückspause zu finden. An der Strecke kommen auf der serbischen Seite immer wieder sehr schöne Sandbuchten, die zum Pause machen einladen. Nach 13 km entdeckten wir Mati in einer Sandbucht, wo ein Bagger den Strand planiert. Wir flachsten im Boot rum, dass für uns jetzt extra der Strand schön glatt gemacht wird, bzw. überlegten, ob der Arbeiter, das so gut findet, wenn wir hier anlegen. Aber…

Frühstückspause nach Kladovo

…der Strand wurde tatsächlich für uns schön gemacht!! Mati, unser Kommunikationstalent, hatte sich lange mit dem Arbeiter unterhalten und er wollte nicht, dass die ausländischen Gäste zwischen Strandgut, Ästen und Müll sitzen müssen und so einen schlechten Eindruck bekommen könnten! Wir frühstückten ausgiebig und ruderten dann weiter … zähe 18 km bei starkem Gegenwind und teils ordentlichen Wellen. Wir hatten streckenweise das Gefühl überhaupt nicht voran zu kommen. Sobald wir aufhörten zu rudern, trieb es uns stromaufwärts. Die Landschaft ist trotzdem großartig, wir sahen sehr viele Vögel und schöne Sandbuchten.

Melone

Zur Mittagspause hat Martin bei km 903 einen geeigneten Anlegeplatz mit einer schmalen Kiesrampe ausfindig gemacht. Selbstversorger Mittagessen mit den Resten vom Frühstück und einer großen Melone, die Martin gekonnt ohne Messer schlachtete! Danach ging es weiter Richtung Brza Palanka, dem Endziel für heute. Aufgrund des starken Windes fuhren wir dicht unter Land, damit die Wellen nicht zu hoch werden. Im Boot war es ziemlich still, weil alle mit dem „Gegenwind-Frust“ kämpften. Das Anlegen am Sandstrand von Brza Palanka war problemlos und alle waren froh als wir endlich unseren wohlverdienten „Manöverschluck“ in der Strandkneipe nehmen konnten. Wir übernachteten noch einmal in Kladovo, da die Donau hier eine große Schleife macht.

Samstag 13. Juli 2019 – Wir trafen uns um 7.00 Uhr am Bus, um wieder nach Brza Palanka zu fahren. Wir hofften, in der Strandkneipe ein Frühstück zu bekommen. Zunächst bekommen wir nur einen Kaffee und die Erlaubnis, unsere Reste dort zu essen, da die Küche erst um 9.00 Uhr öffnet. Dann kommt immer mehr aus der Küche …Omelett, Schafskäse, frisches Gemüse…und ganz zum Schluss der Knüller: Palatschinken mit Nougatfüllung! Zum Glück müssen wir heute nicht weit rudern! Bis zur Schleuse Djerdap II sind es nur 20 km.

Strand Brza Palanka

Die Schleuse Djerdap II liegt vor uns, und Mati versucht, beim Schleusenwärter heraus zu finden, wann ein Schiff kommt, mit dem wir schleusen können. Seine Ansage, dass im Umkreis von 200 km kein Schiff in Sicht ist, macht uns etwas nervös, da es bei dieser Schleuse keine Möglichkeit zum Umtragen gibt. Wir legen 1 km vor der Schleuse unterhalb eines Restaurants an und ein Erkundungstrupp fährt los, um herauszufinden, ob es nicht doch eine Möglichkeit zum Umtragen gibt. Das Ergebnis ist ernüchternd und wir richten uns schon gedanklich darauf ein, das Boot zu teilen, um es ins Bus zu laden. Bevor wir anfangen loszuschrauben, rufen wir doch noch einmal bei der Schleuse an und siehe da: Wenn wir es schaffen in 30 min an der Schleuse zu sein, können wir schleusen, da ein bergauffahrendes Kreuzfahrtschiff kommt und der Schleusenwärter uns danach abwärts schleusen kann.

Vor Djerdap 2

Wir machen einen Alarmstart und sind viel zu früh an der Schleuse. Da wir nahe herangefahren sind, um die Anweisungen des Schleusenwärters entgegen zu nehmen, müssen wir wieder ein ganzes Stück zurückrudern. Martin beschließt, uns die Strecke rückwärts rudern zu lassen mit äußerst durchwachsenem Erfolg – es klappt gar nichts und wir verhaken uns gründlich. Zur Strafe hängt sich Martin mit dem Bootshaken so an die Kaimauer, dass wir direkt neben einem großen, halb verwesten Fischkadaver in Warteposition gehen – super ;-)! Die Schleusung geht flott, es sind nur 10 m. Von der Schleuse sind es nur noch 4 km bis zur Einfahrt in den Winterhafen von Prahovo, wo unser heutiger Anlegeplatz ist. Zu unserem Hotel müssen wir noch ca 10 Km ins Landesinnere, nach Negotin, fahren. Dort gibt es die einzigen Unterkünfte in dieser Gegend. Es ist bereits Grenzgebiet, in knapp 10 Km kommt die bulgarische Grenze. In Negotin ist teilweise Mannschaftswechsel: Philipp, Peter und Moritz kommen mit einem Leihwagen vom Flughafen Belgrad und Mati, Viktoria und Rudi fahren am nächsten morgen in aller Frühe zum Flughafen zurück. Wir verbringen gemeinsam einen schönen Abend in voller Mannschaftsstärke in Negotin.

Samstag, 13. Juli – Heute ging es für Peter, Phillip und Moritz auch endlich zur Donau. Am Flughafen in Frankfurt erreichten wir in letzter Minute das Gate, um dann zu erfahren, dass der Flug verspätet abfliegt. In Belgrad angekommen haben wir erst den Mietwagen gesucht und als wir damit Erfolg hatten, mussten wir  300 km über Autobahn, Schotterpiste und Schlaglöcher bis nach Prahovo zurückzulegen. Am Abend verabschiedeten wir uns noch von den Abreisenden.

Sonntag, 14. Juli – Mit einem Lunchpaket vom Hotel, den wir noch beim Bäcker nebenan aufgebessert haben, brachen wir auf, um die 68 Km lange Etappe zu bewältigen. Die Etappe war einer der längsten während unserer Reise, weil uns sowohl der Kanuführer als auch die TID-Streckenbeschreibung ein absolutes Anlegeverbot von der bulgarischen Grenze bis nach Vidin beschrieben haben. Der Kanuführer drohte sogar im schlimmsten Fall mit Gefängnis bei einem Verstoß. So waren wir darauf vorbereitet, die gesamte Tagesetappe im Boot auf dem Wasser zu verbringen und haben auch keinen Landdienstwechsel eingeplant.

Grenze Bulgarien

Morgens nach dem Ablegen musste unser Steuermann aufpassen, weil bei dem vorherrschenden dichten Nebel es gar nicht so einfach war an den vielen ankernden Schiffen vorbei zu Steuern, die an der Grenze warteten. Manche sahen allerdings schon so aus, als ob sie dort vor längerer Zeit vergessen worden wären. Unsere Ablegestelle war ca. 13 Km vor der Serbisch-Bulgarischen Grenze (845,7). Unser Plan war: Zollboot finden, serbische Fahne einpacken, Papiere vorzeigen und weiterfahren. Es war weit und breit kein Zollboot zu finden, obwohl in den Reiseführern es explizit beschrieben wurde. Am Land haben wir ein kleines Häuschen gesehen, auf das wir zusteuerten. Ob es das Grenzabfertigungshaus war, wussten wir nicht. Es war eher einem Gartenschuppen ähnlich, aber dort war niemand zu finden. Nach kurzer Beratung haben wir beschlossen, weiterzufahren und hofften, dass es gut geht.

Im ersten bulgarischen Ort nach der Grenze, in Novo Selo bei Km 833,8, sollte laut unseren Reiseführern auch eine Grenzabfertigung sein. Da waren wir kurz im Dilemma: sollen wir trotz strengstem Verbot anlegen und die Grenzabfertigung suchen?

Schiffsanleger Novo Selo

Da die meisten nicht so gerne im Boot pinkeln wollen und es eh für eine Pause Zeit war, haben wir entschieden, mit dem Ziel die Grenzabfertigung zu finden, neben dem Schiffsanleger doch an Land zu gehen. Es stand dort auch ein Haus, das früher die Grenzstation für Schiffspassagiere gewesen sein könnte. Jetzt war es verschlossen und menschenleer. Ein netter Bulgare sah mein suchendes und verzweifeltes Gesicht und sprach mich an, dass die nächste Grenzstation in Vidin sei, bei unserem Etappenziel für heute. So sind wir zwar erleichtert aber unverrichteter Dinge, was die Grenzanmeldung betrifft, weitergerudert. Ins Gefängnis mussten wir zum Glück auch nicht gehen.

Während dessen hat unser Landdienst versucht uns vom Land aus zu sichten. Für dieses Vorhaben hat er ziemlich unwegsame Straßen in Kauf genommen. An der Stelle möchte ich einen kleinen Exkurs zum Zustand der Verkehrswege in Bulgarien machen.

Straßen in Bulgarien

Straßenbenutzung in Bulgarien kostet Geld. Wir haben bereits vor unserer Anreise online im Internet die Gebühr errichtet. Wir haben überwiegend Fernstraßen genutzt, viele andere Möglichkeiten außer Feldwege gibt es unserer Erfahrung nach nicht. Wir wurden auch sehr oft an den Fernstraßen auf die Gebühr kontrolliert. Bei den Kontrollen ist es auffällig, dass aus heiterem Himmel die Straße dick mit Heu belegt ist, wie Zebrastreifen, nur aus Heu. Für gebührenpflichtige Straßen würden wir eine gewisse Qualität erwarten. Dem ist es nicht so. Die Straßen sind voller – teils richtig tiefer – Löchern, sind sehr wellig und wird von allen möglichen Verkehrsmitteln, wie auch Pferdekutsche, Fahrrad und Fußgänger, genutzt. Es gibt keine Fahrradwege und die Fernstraße ist auch nicht besonders breit, Ausweichen also schwierig. Es ist nicht ratsam, im Dunkeln unterwegs zu sein, weil man die Schlaglöcher erst zu spät sehen kann. Ansonsten ist eh langsames Fahren geboten. Zu den abgelegeneren Stellen geht meistens nur ein Feldweg hin, der sich meist im schlimmeren Zustand als die Fernstraße befindet. Wir haben zwar keinen Allrad gehabt, aber ein recht hoch liegendes Auto, was, wenn man langsam gefahren ist, meist gereicht hat. Trotzdem haben wir eine Radkappe bei so einem Ausflug verloren.

Wir haben unsere Fahrt recht unspektakulär fortgesetzt, haben sogar auch Glück mit dem Wind gehabt, der kam aus der richtigen Richtung um uns anzutreiben. Vor dem Erreichen unseres Tageszieles in Vidin wurde der Himmel auf der bulgarischen Seite immer dunkler. Wir fragten uns, ob wir es schaffen, noch trocken anzulegen. Es fehlte nicht mehr viel, wir waren nur noch 2 Km vom Ziel entfernt. Doch es sollte nicht sein … Paar wenige dicke Tropfen kamen zuerst, aber danach die volle Ladung. Wir haben nicht mal 8 Minuten im Wolkenbruch rudern müssen gegenüber den restlichen knapp 7 Stunden, die wir heute auf dem Wasser verbracht haben, aber sie haben gereicht, um völlig durchnässt in Vidin bei der Festung anzulegen. Auf dem Festland angekommen mussten wir uns durch vom Wolkenbruch frisch entstandene Bäche kämpfen um unsere Sachen ins Auto zu retten.

Gewitter Vidin
Hotel in Vidin

Tropfend kamen wir in unserem Nobelhotel an, Hotel Anna Kristina in Vidin. Eine historische Villa im Herzen eines schön angelegten Parks direkt an der Donau gelegen. Doch den Mann an der Rezeption schien es überhaupt nicht zu stören, er hat uns sehr freundlich und zuvorkommend behandelt. Hut ab. Überhaupt ist Vidin sehr sehenswert. Sie ist eine der ältesten Städte Bulgariens, war einst eine bedeutende römische Handelsstadt durch ihre günstige Lage am Strom. Die Festung Baba Vida, wo wir unser Boot abgestellt haben, stammt aus dem 14. Jh. In unseren komfortablen Zimmern angekommen haben wir das erste Mal Bekanntschaft mit dem speziellen Badezimmerstil Bulgariens zu machen. Damals wussten wir noch nicht, dass die Bauweise für das Land typisch ist. Die Besonderheit ist, dass das gesamte Badezimmer mit Dusche etc. ein Raum ohne Abtrennung ist. Dies ist insbesondere beim Duschen gewöhnungsbedürftig, denn nach dem Duschen ist das komplette Badezimmer samt allen sanitären Einrichtungen klatschnass. Manche von uns fanden die Lösung bei der Reinigung des Badezimmers allerdings äußerst praktisch. Wir haben unsere nassen Sachen zum Trocknen an jede Ecke des Zimmers aufgehängt, Klimaanlage voll an und haben wir uns in Vidins Stadtleben gestürzt.

Der Regen hat inzwischen wieder aufgehört und unser erster Weg führte uns zu unserem Boot. Wir wollten nochmal kontrollieren, ob wir zuvor in der Hektik nichts vergessen haben und ob das Boot auch vom wechselnden Wasserstand sicher steht. Alles war perfekt. Mittlerweile bei strahlend blauem Himmel kehrten wir auf die Terrasse der in unmittelbarer Nähe liegenden Bar ein und … zur unseren größten Überraschung gab es dort endlich „Limo Pivo“, auf deutsch Radler. Ab kurz vor Belgrad haben wir bis jetzt darauf verzichten müssen. Wir haben keine Gelegenheit ausgelassen, an jeder Station unserer bisherigen Reise danach zu fragen. Aber bis jetzt erfolgslos. Umso größer war also unsere Freude, endlich mal unser geliebtes „Ankunfts-Radler“ zu trinken.

Endlich Pivo Limo …

Wir hatten aber noch ein Problem. Bis auf unserem Landdienst waren wir offiziell noch nicht aus Serbien ausgereist und vor allem noch nicht offiziell in Bulgarien eingereist. Wir wussten nicht, wie streng die Bulgaren es sehen nach dem eisernen Vorhang und seit Beitritt in die EU. Auch deswegen haben wir uns nach dem Abendessen nochmal in die Innenstadt aufgemacht um den Zoll zu finden. Im Internet von daheim habe ich ein Foto von einem Haus mit der Aufschrift „Duane“ in kyrillischen Buchstaben gesehen. Wir mussten gar nicht lange suchen, wir haben das Gebäude gleich entdeckt. Einige Passagierschiffe haben davor angelegt und an der Rückseite einer der Anlegestellen haben wir ein paar Treppen zum Aussteigen entdeckt. Der im Gebäude Dienst habende Beamte, den wir gerne über die Einreiseformalitäten für Bootsbesatzung gefragt hätten, war sofort unfreundlich und hat uns vehement aus dem Gebäude rausgeschickt. Möglicherweise haben wir ihn während seines Dienstes gestört. Daraus ergab sich noch eine Diskussion, ob wir hier am nächsten Tag überhaupt anlegen sollten. Nach einigem Für und Wider haben wir uns aus Sicherheitsbedenken für ein Anlegen entschieden. Zusammenfassend aus der Sicht von Moritz verlief unser Rudertag so: Ach wie schön die Sonne doch ist, wir hatten echt Glück mit dem Wetter. Bis jetzt auf jeden Fall, 3 Km vor dem Anlegen in Vidin ging es dann richtig los. Im durchnässten T-Shirt legten wir an, sicherten den Tollpatsch und genossen ein verdientes, schönes Hotel.

Montag, 15. Juli – Nach einem ausgiebigen Frühstücksbufett haben wir unseren Tollpatsch startfertig gemacht und aufgrund der möglicherweise bevorstehenden Grenzformalitäten haben wir in der gleichen Besatzung wie gestern abgelegt. Bis zum Zoll mussten wir nur 2 km zurücklegen. Viel kniffeliger war es hinter dem Ponton mit unserem Ruderboot reinzukommen. Auf einer Seite Skulls lang und dann ging es zum Ausstiegstreppe. Wir haben durchaus für Aufmerksamkeit sowohl beim Schiffspersonal als auch bei den Beamten gesorgt. Offensichtlich legen hier selten Kleinboote an. Alle anderen sind im Boot sitzen geblieben und ich bin mit allen unseren Pässen in der Hand aus dem Boot geklettert und war auf dem Weg zum Zollgebäude. Noch auf der Brücke spricht mich ein interessierter Beamte sogar auf Englisch mit den Worten an „What’s your problem?“ Ich erwiderte ihm, dass wir keinesfalls ein Problem hätten aber wir vermuten, wir müssten uns in Bulgarien offiziell anmelden. Dafür war er offensichtlich nicht zuständig, denn er schickte mich weiter in das Zollgebäude. Nach paar Minuten erschien ein etwas müde wirkender Zollbeamte, mit dem ich mich fast ausschließlich mit Händen und Füßen verständigen konnte, und wir haben in einer halben Stunde die Einreiseformalitäten erledigt. Und, was noch viel wichtiger war, unser Tollpatsch hat auch ein offizielles Einreisedokument bekommen. Möglicherweise brauchen wir es bei der Einreise nächstes Jahr nach Rumänien. Als das hinter uns hatten, mussten wir noch an der betonierten Mauer eine Möglichkeit finden, unseren Landdienst zu tauschen. Denn verständlicherweise wollte Peter auch mal rudern und gestern musste er den ganzen Tag das Auto durch die Gegend fahren. Die Stelle war zwar nicht optimal aber zum Glück sind alle „Tauscher“ (Landdienst und Sitzplatz) zwar teils abenteuerlich aber doch unversehrt aus dem bzw. ins Boot geklettert.

Kaum waren wir wieder in der Mitte der Donau, taucht auf einmal ein bulgarisches Polizei- bzw. Grenzboot auf. Er hat uns eine Zeit lang verfolgt, beobachtet und ist ohne uns anzusprechen letztlich wieder abgedreht. Spätestens dann waren alle froh, dass wir die Grenzformalitäten doch noch erledigt haben. Unsere Mittagspause haben wir kurz vor Archar beim Flusskilometer 772 gehabt. Dort geht die Straße an der Donau entlang und es gibt dort für den Verkehr einen Parkplatz mit zwei Imbissen. Unser Landdienst musste nicht über Feldwege fahren und hat die Stelle gleich gefunden.

Mittag mit Störchen

Vom Wasser aus gesehen kann man die Stelle nicht gut finden, es ist deshalb sinnvoll, wenn der Landdienst Wache hält. Vor allem gibt es vor der Anlegestelle keine vernünftige Anlandemöglichkeit. Das Ufer ist etwas schlammig und es gibt ziemlich viele Mücken. Dementsprechend auch Störche. Der Imbiss ist ziemlich einfach, die Verständigung gleich Null. Praktisch ist aber, dass sie alle vorhandenen Speisen in einer Glastheke ausstellen und man zeigt einfach darauf, was man gerne essen möchte. Gegebenenfalls kommt das Gericht vor dem Servieren noch kurz in die Mikrowelle. Die Toilette ist auch äußerst einfach aber bei offener Tür mit einem sehr schönen Ausblick auf die Donau:-).

Nach der Mittagspause haben wir unsere Fahrt fortgesetzt, Zielstation war der  ca. 30 Flusskilometer entfernte Stadt Lom. In der Donau gibt es auf dieser Strecke zahlreiche Insel, viele davon mit einem schönen Sandstrand.

Sandinsel Rast

Ungefähr 9 Km weiter konnten wir so einer Trauminsel nicht widerstehen und haben dort eine kurze Pause eingelegt. Wir hätten dort länger bleiben können. Ein kleines Karibik-Feeling kam auf als wir den feinen Sand betreten haben. Mangels Hängematte und Cocktails sind wir dann doch weitergerudert. Kurz bevor wir unser Zielort erreicht haben, kam heftiger Wind auf, der auf dem Wasser ziemliche Wellen verursacht hat. Lom ist der zweitgrößte Donauhafen nach Ruse in Bulgarien, dementsprechend ankern dort auch sehr viele Schubverbände vor dem Ufer. Unser Landdienst hat kurz vor der Stadt eine Anlegestelle gefunden und wartete schon geduldig auf uns. Aufgrund der Wellen und der sich ändernden Wasserstandes haben wir unser Boot einige Meter von der Donau entfernt auf einer Grasfläche abgelegt. Erst als es bereits für manche zu spät war, haben wir gemerkt, dass unter dem Gras der Matsch ziemlich tief war.

Erschöpft fuhren wir zu unserem zuvor gebuchten Hotel, von dem es sich vor Ort herausstellte, dass es inzwischen geschlossen hatte. Ein anderes Hotel stand unmittelbar vor unserem Geschlossenen, so sind wir dorthin gegangen. Die Rezeptionistin hat uns mit Hilfe ihres Übersetzungsprogramms auf dem Handy zu verstehen gegeben, dass sie bereits ausgebucht seien und wir dort nicht übernachten könnten. Es war zwar schwer zu glauben aber wir mussten es akzeptieren.

Hotel bei Stanovo

Anja hat währenddessen über booking.com nach anderen Übernachtungsmöglichkeiten in der Umgebung gesucht und in der Nähe von Stanovo, ca. eine halbe Stunde Autofahrt entfernt, ein Hotel direkt an der Donau mit eigenem Weingut entdeckt. Wir haben direkt gebucht und machten uns auf dem Weg… die letzten ca. 10 km auf einem Feldweg. Als wir endlich durch das Tor fuhren, erwartete uns ein kleines Paradies mit schön angelegtem Swimmingpool, Bar und einem gepflegten großen Garten. Wir haben uns sofort wohl gefühlt und nahmen unsere obligatorischen „After-Rowing“-Drinks neben dem Pool auf der überdachten Terrasse ein. Die Zimmer waren einfach aber sauber und das Bad, wie üblich wurde nach einmal Duschen komplett rundum gereinigt.

Abendsonne am Hotel

Die Donau war ca. 150 Meter entfernt hinter der Mauer, die das Anwesen umgab und ein kleiner Weg führte direkt zum Ufer. Eigentlich hätten wir direkt hier anlegen können. Während des leckeren Abendessens, die die Wirtin souverän und schnell in der offenen Küche zubereitet hat, haben wir den morgigen Tag geplant, und dabei die günstige Lage des Hotels ebenfalls berücksichtigt.

Das ist Moritz´ Version dazu, auch wenn zu einem anderen Tag zugeordnet: Donnerstag, 18. Juli – Nach einer anstrengenden Etappe mussten wir feststellen, dass das gebuchte Hotel Pleite war. Dank Eszter kamen wir dann aber in einem Gasthaus mit Live Küche und Pool unter!

Dienstag 16. Juli – Heute hat der Wecker wieder sehr früh geklingelt, aber dieses Mal mussten wir nicht auf die richtige Zeitzone achten, weil Bulgarien in der gleichen Zeitzone, wie Rumänien liegt. Treffpunkt beim Auto war schon um 5:30 Uhr morgens! Kurz vor 6 Uhr waren wir bereits bei unserem Boot und haben ihn vorsichtig aus dem Matsch rausgezogen, damit wir keine dreckigen Füße bekommen. Um 6:04 Uhr haben wir abgelegt und in dichtem Nebel unsere Fahrt fortgesetzt. Es war zwar ungewöhnlich kühl aber eine tolle Stimmung. Man hörte nur unsere Skulls ins Wasser tauchen und auf- und abdrehen und hin und wieder auch einen Vogel. Sehen konnte man ihn aber aufgrund des Nebels nicht. Es war wahnsinnig ruhig, das Wasser ppiegelglatt. Zum Glück gab es auch kein entgegenkommendes Schiff, wir hätten es nur hören können. Die 18 Kilometer bis zu unserem Frühstück haben wir in der einmaligen Stimmung zurückgelegt.

Morgennebel 16.7

Den Zwischenstopp für heute haben wir bei unserem Hotel eingelegt und setzten uns pünktlich um 8 Uhr zum Frühstückstisch an den Pool. Wir haben es uns richtig gut gehen lassen, das Frühstück genossen und uns Zeit gelassen. Wir hatten nur noch 20 Km bis zum heutigen Etappenziel in Kozloduy zu rudern. Aber irgendwann mussten wir uns endgültig von dem schönen Hotel verabschieden. Um halb 11 hat die Mannschaft nun abgelegt. Ich hatte derweil Landdienst und musste nach Lom zurückfahren um Geld vom Automaten drucken zu lassen und einzukaufen um dann nach Kozloduy, zu der Anlegestelle zu fahren. Ich kam zu spät und nur durch Telefonate mit der bereits auf mich wartenden Mannschaft habe ich sie finden können. Der Ort Kozloduy erstreckt sich ca. 5 Km entlang der Donau und ich habe die Anlegestelle genau am anderen Ende gesucht, als sie letztendlich war. Es ging bereits früh Nachmittag zu unserer, in ca. 30 Km entfernt liegenden Pension in Oryahovo, wo wir mangels Auswahl an Unterkünften zweimal übernachtet haben.

 

Fähre in Oryahovo

Der Ort Oryahovo ist ziemlich klein, durch die dort verkehrende Fähre nach Rumänien bildet er aber eine wichtige Verkehrsader. Das haben wir leider – auch Nachts – in unserer Pension mitbekommen, wenn die vorbeidonnernden LKWs uns fast aus dem Bett geworfen haben. Die Fähre ist erwähnenswert. Ich habe noch nie im Leben so eine riesige Fähre gesehen! Die ganzen bisherigen Rhein- und Donaufähren sind mindestens viermal kleiner, als die hier. Es passen vier LKWs hintereinander darauf. Aber Brücken über die Donau sind sehr rar hier. Die letzte war in Vidin und die nächste wird erst in Ruse sein.

Mittwoch, 17. Juli – Heute sah unser Plan eine Tagesetappe von 63 Km vor. Auch deswegen aber auch weil es tagsüber immer heißer wurde – knapp unter 40 Grad Celsius – haben wir unser „früh Aufstehen und Losrudern“- Strategie angewendet. Um halb 6 ging es mit dem Auto nach Kozloduy zurück und kurz nach 6 Uhr waren wir wieder auf dem Wasser.

Wir hatten zwar dieses Mal keinen dichten Nebel am Morgen aber wieder spiegelglattes Wasser und absolute Ruhe um uns herum. Bis zum Frühstück hatten wir eine Strecke von 25 Km zu bewältigen. Nach den bisherigen, ziemlich üppigen Frühstücksangeboten war es auch von Vorteil, sich vorher bewegt zu haben. Wir haben direkt bei unserer Pension in Oryahovo angelegt und konnten nur die Straße queren und schon saßen wir beim Frühstück. Dieses Mal sind wir ziemlich enttäuscht worden. Jeder von uns bekam einen Teller mit 2 Scheiben Toastbrot, eine kleine Scheibe Schafskäse, zwei Scheiben Salami und eine Marmelade und ein Heißgetränk. Nachbestellen war möglich, jedes Stück, egal ob Brot oder etwas anderes, wurde aber in Rechnung gestellt. Das war im krassen Gegensatz zu unserem mittlerweile gewohnten serbischen Frühstücksangebot. Aber ab jetzt mussten wir uns wohl umstellen.

17.7. früh rudern
Segeln in der Pause

Halb gestärkt ging es weiter die restlichen 38 Km. Es wurde zwar immer heißer aber zumindest der Wind meinte es gut mit uns. Er schob uns konstant zu unserem Etappenziel in Baykal. In den vielen Trinkpausen haben wir die Skulls aufgestellt und sind recht gut auch ohne Rudern vorangekommen.

Bei Flusskilometer 655 sollte auf der bulgarischen Seite in Gorni Vadin eine Thermalquelle zu sehen sein. Wir waren wirklich bemüht vom Wasser aus es zu entdecken, leider aber ohne Erfolg. In Baykal, unsere Endstation für heute, wartete bereits unser Landdienst auf uns. Es war keine optimale Stelle zum Anlanden aber angeblich gab es keine andere. Die Stellen, die wir kurz vorher aus dem Boot gesehen haben, waren laut unserem Landdienst nicht mit dem Auto zugänglich.

Anlegestelle im Schlamm

Direkt vor dem Anlandeplatz ankerte ein Boot und am Land stand ein Fischerboot. Ca. ein Meter neben dem Fischerboot sollten wir hin, was wir auch geschafft haben. Das war aber noch nicht alles. Das Ufer war die ersten 25 Meter völlig verschlammt. Man ist teilweise knöcheltief im Schlamm versunken, wenn man sich keine natürliche Unterlage in Form von Ast, Büschel oder Fischerboot untergelegt hatte. Die meisten von uns haben den Tollpatsch vom Fischerboot aus ausgeräumt und nur paar wenige pendelten – wie auf Eiern – zum Auto und zurück. Am Auto angekommen, der vor paar kleinen Bäumen einigermaßen im Schatten stand, wartete die nächste unangenehme Überraschung: Millionen von Mücken! Massenweise ließen sie sich in sekundenschnelle auf die ahnungslosen Menschen unter um sofort zuzustechen. So schnell konnte man gar nicht um sich herum schlagen. Als wir endlich den Tollpatsch leer hatten, sind wir so schnell wie möglich in unseren Bus gesprungen und haben gleich die Türen zugemacht. Trotzdem waren alle fünf Passagiere bis auf den Fahrer nach dem Losfahren mindestens 20 Minuten damit beschäftigt, die ins Auto reingekommenen Mücken zu töten. Der Bus stank nach Antibrumm, aber es ließ die Mücken nicht abschrecken. Nach der Aktion sah der Bus von innen ziemlich gefährlich weil blutverschmiert aus. Wir mussten wieder nach Oryahovo zurück, zu unserer Pension.

Auf dem Weg zurück sind wir an einem riesigen Schloss vorbeigekommen. Wie es sich herausstellte, ein Weingut. Wir waren an einer Führung und Weinverkostung interessiert gewesen, aber dafür hätten wir uns mindestens drei Tage vorher offiziell anmelden müssen. Überhaupt haben sie am Telefon nicht den Eindruck gemacht, als ob sie an potenziellen Kunden interessiert gewesen wären. Paar wenige von uns haben in Oryahovo einen kleinen Weinhandel entdeckt, die auch die Weine vom Schloss vertrieben und kauften paar Flaschen davon. Zum Abendessen sind wir in den Ort in ein Restaurant gefahren. Die Auswahl und das Bestellen waren nicht so einfach, wie wir uns das vorgestellt haben. Die Speisekarte war auf Bulgarisch in kyrillischer Schrift. Es gab keine englische Version und die Fremdsprachenkenntnisse unseres Kellners waren eher rudimentär. Drei von uns haben auf ein Bild gezeigt in der Speisekarte, das eindeutig gebackene Käsewürfel zeigte (weil Fäden) und waren uns ziemlich sicher, dass es die sicherste Methode war, das zu bekommen, was man bestellt hat. Andere haben mit Hilfe des Handys die Karte versucht zu übersetzen. Das gestaltete sich sehr langsam, denn man musste die kyrillischen Schriftzeichen erst im Handy finden. Die drei, die sich ihrer Sache so sicher waren, wurden ziemlich überrascht, als sie in das vermeintliche Käsewürfel gebissen haben. Es war kein Käse sondern Hähnchen und es hat auch keine Fäden gezogen. Sah aber sonst dem Bild sehr ähnlich aus. Hat aber auch gut geschmeckt und wir sind alle satt geworden.

Katzenfütterung in Oryahovo

Als wir zur Pension zurückfahren wollten, entdeckte ich am Parkplatz unter unserem Bus eine kleine Katze. Es war nicht das erste Mal, daher hatte ich irgendwann Trockenfutter gekauft, weil die Tiere alle ausgehungert schienen. Nebenbei bemerkt, es ist gar nicht so einfach in Bulgarien Katzenfutter zu finden, die meisten Menschen haben nicht so viel Geld, dass sie es für Tierfutter ausgeben würden. Die Tiere bekommen meistens die Reste aus der Küche und was sie selbst fangen. Die kleine Katze hatte also Glück, sie hat gleich was zu essen gekriegt. Daraufhin kamen aus allen Ecken des Parkplatzes kleine und große Katzen hervor. Am Ende wurden es sechs Katzen, die gefüttert werden wollten.

Donnerstag, 18. Juli – Heute sind wir zu einer zivilisierten Uhrzeit aufgestanden, um 7 Uhr gab es Frühstück. Wieder genauso spärlich wie am Vortag. Da wir noch ziemlich lange zu unserem Boot nach Baykal fahren mussten, sind wir erst um halb 10 losgerudert. Unsere heutige Etappe war nur 44 Km lang.

Philipp auf Schlag

Bis zu unserer Mittagspause mussten wir aber erst noch 33 Km rudern. Das Wasser war wieder wunderbar glatt und wir kamen gut voran. Wir hatten gute Strömung und strahlend blauen Himmel. Als Mittagsrast haben wir Somovit, einen laut Reiseführer malerischen Ort mit Gasthaus ausgesucht. Unser Landdienst hat uns schon die Vorfreude auf das mittlerweile zum Standard gewordenen Schopska-Salat getrübt, denn die eine Gaststätte, die es im Ort gab, hatte geschlossen. Am Strand gab es ohnehin kein Gebäude, so sind wir mit dem Auto ins Dorf gefahren. Malerisch haben wir es nicht gerade empfunden, aber vielleicht waren wir auch einfach im nicht so malerischen Teil unterwegs. In der Ortsmitte herrschte Hitze und bis auf 3-4 Einheimische, die auf den Bus gewartet haben, haben wir niemanden gesehen. Leider war die Gaststätte immer noch zu und der kleine Tante Emma Laden daneben hatte scheinbar Mittagspause. So haben wir uns und unseren Bus so weit wie möglich in den Schatten gestellt und die zu findenden Reste gegessen. In der Nähe stand ein Baum, dessen Früchte essbar und auch reif waren, damit haben wir unseren Vitaminhaushalt ausgebessert.

Deutscher Reisebus

Auf einmal hörten wir Motorengeräusche, was dort ohnehin selten war. Und kurzer Zeit später rollte ein Reisebus rein, dessen Fahrer sich dort eine kurze Pause gönnen wollte. Zu unserem Erstaunen haben wir die Aufschrift auf der Seite lesen können: „Ostsee-Express Busreisen“! Der Bus war sicherlich sehr lange unterwegs gewesen von der Ostsee bis 600 Km vor dem Schwarzen Meer. Unser Proviant hat uns ausreichend ernährt um die restlichen 11 km bis nach Nikopol zu rudern.

Dort erwartete uns nicht nur unser Landdienst, sondern auch ein traumhafter, großer Sandstrand! Ohne Matsch, ohne Mücken oder sonstige unangenehme Überraschungen. Das Boot zu entleeren war dieses Mal nicht so einfach. Denn ein ziemlich großer grüner Frosch hat sich für die Nacht im Tollpatsch eingenistet und ist mit uns den ganzen Tag mitgereist. Von selbst konnte er nicht die glatte Wand vom Boot hochklettern, zum Springen war es wahrscheinlich zu hoch. Letztlich haben wir es gemeinsam geschafft mit Boot kippen etc. und Moritz und Eszter haben gleich die günstige Lage und das leere Boot zu einer Bootssäuberungsaktion genutzt. Es war dringend notwendig geworden das Gröbste an Matsch zu entfernen.

Auf dem Sandstrand konnten wir das Boot nicht über Nacht liegen lassen, dafür war es dort zu flach und es gab keine Befestigungsmöglichkeiten. Unser Plan war es, den Tollpatsch mit einem kräftigen Schubs über die kleine Bucht zu kriegen. Moritz hat sich ins Boot gesetzt, damit er es am Ufer angekommen festmachen kann. Als das einige dort gerade badende bulgarische Jugendliche mitbekommen haben, sind sie zum Tollpatsch geschwommen und hatten einen riesen Spaß uns zu helfen. Wir, vor allem Moritz, waren uns nicht sicher, ob die Jungs wussten, wohin das Boot hingeschoben werden soll, das bedurfte noch paar eindeutige Handbewegungen aber letztendlich kam das Boot dort an, wohin wir ihn haben wollten. Moritz war sehr erleichtert, als er das Ufer endlich erreichte.

Anlegeplatz suchen

Als wir nach getaner Arbeit unser verdientes After-Rowing-Drink auf der Terrasse einer nahe gelegenen Kneipe mit Blick auf die Donau genossen haben, wurden wir darauf aufmerksam, dass auf einmal richtig viel los war auf dem Fluss. Sonst war es eher selten, dass wir auf ein Schiff trafen.

Verkehr auf der Donau

Ein Passagierschiff, zwei Schubverbände und dazwischen noch paar Angler in ihren kleinen Fischerbooten. War fast schon als Stau zu bezeichnen. Vor allem staunten wir nicht als wir den bergfahrenden Schubverband gesehen haben: es war riesig! Es schien die gesamte Breite der Donau zu brauchen, denn es bestand aus 4 Schubleichter neben- und 3 hintereinander. Wir fragten uns, wie die anderen Schiffe daran vorbeikommen (war letztendlich überhaupt kein Problem) und vor allem, ob der Schubverband so in die Schleuse passt oder nicht. Wir waren der Meinung, dass er einige von den Leichtern vor der Schleuse abkoppeln muss, denn so, wie er jetzt war, war für die Schleuse auf jeden Fall zu breit. Und wir hätten ihn nicht gerne in einer der max 150 m breiten Donauengen zuvor getroffen.

Unser Hotel für die Nacht war das Hotel Gold direkt im Ort, ein sozialistisches großes Gebäude mit mindestens 50 Zimmern. Ein sehr hilfsbereiter und freundlicher Herr schien dort der einziger Mitarbeiter zu sein. Leider konnte er so gut wie kein Wort Englisch aber irgendwie klappte es doch mit der Verständigung.

Freitag, 19. Juli – Ab 7 Uhr gab es Frühstück im riesigen Hotelrestaurant, so waren wir auch pünktlich um die Zeit dort. Es ist schon ein Vorteil, wenn das Boot nur 5 Minuten Fahrt entfernt liegt und man gleich einsteigen kann.

Ablegen Nikopol

Martin und Moritz haben zu zweit den Tollpatsch wieder zum Sandstrand gerudert, damit wir dort bequem einsteigen konnten. Ich habe am Vormittag wieder Landdienst gemacht, da ich wusste, dass unser heutiger Mittagsrastplatz nur schwer mit dem Auto zu erreichen war. Es gab dort keine Gaststätte, wir mussten uns selbst versorgen und dafür habe ich noch in Nikopol bisschen eingekauft.  Noch in Nikopol beim Supermarkt bin ich auf eine Baustelle getroffen, die ich gleich auch verewigen musste. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Baustellen in Deutschland heutzutage anders aussehen.

Baustelle in Nikopol

Ich musste mich allerdings beeilen, denn die Strecke auf dem Land dauert zum Einen durch die schlechten Straßen und zum Zweiten aufgrund der Umwege, die man mangels direkter Straßenverbindungen in Kauf nehmen muss, ähnlich lang wie mit dem Ruderboot auf der Donau. Die Mannschaft im Tollpatsch musste 20 Km rudern, ich mit dem Auto das Doppelte fahren. Und ich musste auch noch Zeit einkalkulieren, um den Feldweg zu finden, der mich mit dem Auto zum Rastplatz führt. Auf dem Weg dorthin bei einem Abzweig auf eine Umgehungsstraße sehe ich ein Schild von der EU. Scheinbar ist diese neue Straße aus  EU Mitteln gebaut worden. Es war zwar ein relativ kurzes Stück aber ich habe die bisher einige Straße in Bulgarien ohne Schlaglöcher genossen. Und unser Auto mit Sicherheit noch mehr. Dank Google ist die Navigation heutzutage nicht mehr schwierig, den Abzweig zum Feldweg habe ich so ziemlich schnell gefunden. Der Weg war einspurig aber irgendwann vor Ewigkeiten betoniert. Teilweise musste man Schritttempo fahren um keinen Achsenbruch zu erleiden. Neben dem betonierten Weg – scheinbar fast parallel – verlief ein Feldweg. Ohne Beton o.ä. Ich war auf dem Betonweg so verzweifelt, dass ich auf den Feldweg gewechselt bin. Es kann ja kaum schlimmer sein als der betonierte Weg. Und so war es auch.

Mittagspause Belen (Blick vom Bus, der als Sonnenschutz diente)

Ich konnte sogar mit dem Bus direkt zu der Donau fahren, der weiße Bus war für die Steuerleute vom weiten gut zu erkennen. Kaum war ich dort angekommen, gleich habe ich den Tollpatsch noch als recht kleinen Punkt am Horizont sehen können. Der einzige Nachteil bei unserem Rastplatz war, dass auf dieser großen freien Fläche keine Bäume gab und so auch kein Schatten. Unser Auto diente als Sonnenschutz mit Blick auf die Donau.

Bis zu unserem Etappenziel hatten wir noch eine Strecke von 28 Km zu bewältigen. Auch in diesem Streckenabschnitt folgte eine Donauinsel nach dem Anderen. Manche der Inseln wird von den Vögeln in Beschlag genommen, Tausende stehen am Ufer und an den Sandbänken. Teilweise können wir sogar Pelikane sehen.

Vögel auf Insel 19.7.

Wir nähern uns Svishtov. Es ist eine Universitätsstadt mit alten Kirchen und Gebäuden. Und es ist der südlichste Punkt von der Donau. Die Stadt ist bereits von weitem von Wasser aus zu erkennen. Unser Landdienst meldet sich telefonisch, er steht im Zoll, es dauert noch eine Weile bis man ihn wieder zurückfahren lässt. Der Anlegeplatz direkt an der Stadt liegt an der Fähre und die führt nach Rumänien. Man kann nicht zum Ufer, denn davor steht der Zoll. Wir sollten weiterrudern und an einer geeigneten Stelle anlegen. Er kommt zum Glück recht schnell vom Zoll los, weil paar Kilometer weiter erkennen wir ihn bereits am Ufer. Wie er die Stelle dort so schnell gefunden hat, bleibt uns bis heute ein Rätsel. Wir nehmen Schwung und fahren mit dem Bug aufs Ufer. Die erste, der aussteigt, versinkt im Matsch. Das kennen wir bereits. Aber der Matsch ist hier großflächig und es gibt keine Ausweihmöglichkeiten. Zumindest gibt es etwas weniger Mücken. Als wir alles aus dem Boot haben und zum Auto nähern, sagt unser Landdienst, dass er sich nicht sicher ist, ob wir mit dem Auto aus dem Matsch rauskommen. Zuerst laden wir das Auto und säubern – so weit möglich – unsere Schuhe und Beine, damit wir in unserem schönen Hotel nicht aufgrund unserer Spurer verfolgt werden können. Dann kommt das Auto dran. Es braucht zwar paar Anläufe aber wir kriegen ihn zum Glück ohne größere Aktionen aus dem Schlamm raus. Wir hatten Glück, ein Meter weiter wären die Vorderräder auch im Matsch gestanden, dann hätten wir größere Probleme gehabt.

Am Hotel Nove parke ich rückwärts an einer Stufe ein, wir können die Hecktüren öffnen und ebenerdig unsere Koffer rausziehen. Das ist Luxus. Sogar einen Lift gibt es in dem wirklich schönen Hotel. Wir haben die schönsten Zimmer am ersten und zweiten Stock mit Balkon und Blick auf die Donau. Auch wenn wir sie den ganzen Tag sehen, aus einer anderen Perspektive ist sie auch schön anzuschauen. Das Badezimmer ist riesig mit der gleichen offenen, selbstreinigenden Innerarchitektur, wie überall bisher in Bulgarien. Die After-Rowing-Drinks nehmen wir mittlerweile schlammfrei auf der Terrasse des Hotels ein. Da jedes Hotel bei der Ankunft die Ausweise von jedem von uns haben möchte, findet Peter seinen nicht mehr. Es stellt sich raus, dass er wahrscheinlich noch in Nikopol im Hotel liegt. Die Rezeptionistin, die hervorragend Englisch spricht ruft gleich im anderen Hotel an und zum Glück ist der Ausweis gefunden. Peter muss am nächsten Tag zurückfahren während wir rudern. Wir wissen nicht, ob er es bis zu unserem Mittagsrast schafft wieder zu uns zu stoßen. Es sind 50 Km bis Nikopol aber von dort aus 135 km bis nach Ruse, wo wir morgen ankommen sollten. Bei den Straßen ist es ein fast ganztägiges Unterfangen. So kaufen wir im Supermarkt von Svishtov ein und besichtigen eine vom Reiseführer angepriesene Kirche direkt neben dem Supermarkt. Zum Abendessen bleiben wir in unserem Hotel, sie haben eine gute Küche. Und die zwar etwas arrogante aber mit einem unglaublichen Erinnerungsvermögen ausgestattete Kellnerin nimmt von uns 6 Personen die komplette Bestellung mit Vorspeise etc. alles durcheinander bestellt inklusive Korrekturen während der Bestellung ohne sie irgendwie zu notieren auf. Wir staunen und lassen uns überraschen, ob sie sich das alles wirklich merken konnte. Wir rechnen damit, dass wir Einiges falsch bekommen. Aber nach etwas Warten stellt sich heraus, dass sie es sich wirklich alles korrekt merken konnte. Sie wusste sogar auch noch, von wem die Bestellung kam. Wirklich erstaunlich. Und lecker war es obendrein.

Samstag, 20 Juli – Unser letzter Rudertag, für 3 von uns seit 2 Wochen. Es wird uns etwas fehlen. Aber heute müssen wir erst einmal 55 Km in der Hitze durchhalten. Mittlerweile erreicht das Thermometer die 40 Grad Grenze. Wir fahren zum Tollpatsch in den Schlamm, dieses Mal parken wir das Auto in sicherer Entfernung. Wir haben eine Stelle entdeckt, wo wir weniger Schlamm vermuten, müssen das Boot aber erst dorthin kriegen. Nur paar wenige von uns gehen in den Schlamm um das Boot ruderfertig zu machen und einer rudert den Tollpatsch zur weniger schlammigen Stelle. Die anderen schauen aus dem Trockenen zu oder machen Fotos :-). Kurz nach 9 Uhr kommen wir los und rudern in der Fahrrinne Richtung Ruse. Die Fahrrinne ist nicht immer gut zu erkennen, weil die Bojen sehr selten gesetzt sind. Man braucht auch gute Augen, diese – inklusive der richtigen Farbe – rechtzeitig zu erkennen. Wenn man die Fahrrinne verlässt, läuft man Gefahr auf eine Kies- oder Sandbank aufzulaufen. Es ist uns einmal passiert, daher versuchen wir es zu vermeiden. Die Donau fließt jetzt Richtung Nordosten weiter, denn bei Svishtov ist ja der südlichste Punkt. Bis zur Mittagspause möchten wir den Großteil der heutigen Etappe hinter uns haben, damit wir in der Hitze nicht mehr so lange unterwegs sein müssen. Außerdem könnte es noch den Vorteil haben, dass unser Landdienst bis dahin den Weg von Nikopol zurück bis zu uns schafft.

Aus sicherer Enfernung
Mittag bei Anglern

In dem kleinen Ort, wo wir letztlich nach 36 Km für die Pause anlanden stehen nur ein paar wenige Hütten ist aber scheinbar mit dem Auto zu erreichen. So gehen wir vor einer Hütte ans Land und holen unseren Proviant aus dem Boot um es möglichst im Schatten zu verzehren. Von der Hütte ruft uns ein Mann auf Bulgarisch etwas zu, was wir nicht verstehen. Wir finden an einem kleinen Baum ein bisschen Schatten, stellen aber gleich fest, dass es dort wegen den Mücken nicht auszuhalten ist. Da können wir nicht bleiben. Ich gehe zur Hütte zurück und der Herr gibt mir zu verstehen, dass wir zu ihnen raufkommen sollten. Er spricht gebrochen Deutsch, er war vor ca. 20 Jahren mal in Deutschland arbeiten, erzählt er uns später. Die Hütte ist eine Eigenkonstruktion, es ist so gut wie alles dort verbaut, was zu finden war. Ein Teil ist ein z.B. alter Wohnanhänger. Es finden sich letztlich sogar genug Stühle für uns alle, wir sind immerhin zusammen zu Acht. Unser Gastgeber macht gerade mit seinen Angelfreunden Siesta, den erfolgreichen Fang des Tages präsentiert er uns stolz. Er lädt uns ein auf ein kaltes Bier, dem können wir nicht widerstehen. Wir wollen ein Deal machen: er spendiert das Bier, wir das Essen. Es läuft nicht so, wie wir uns es vorstellen. Er möchte nämlich auch das Essen spendieren. Wir tun alles auf den Tisch, was wir dabei haben, er ebenfalls. Es gibt reichlich zu essen und auch sehr gut. Wir unterhalten uns, so gut es geht mit ihm, er schimpft hauptsächlich auf die bulgarische Regierung, die hauptsächlich in die eigene Tasche wirtschaften. Der Durchschnittverdienst sei bei ca. 300 Euro monatlich in Bulgarien, davon ist auch dort nicht einfach zu leben. Auch wenn wir uns auch wohl fühlen, müssen wir weiter, Ruse wartet auf uns. Und Peter, unser heutiger Landdienst ebenfalls. Bis auf das Brot, was man zum Angeln gut nehmen kann, bekommen wir unser Proviant wieder zurück. Sie wollen uns noch mehr mitgeben, wir wehren uns vehement. Gastfreundschaft wird hier groß geschrieben, auch wenn sie selbst nicht wirklich viel haben. Es winken uns alle von der Terrasse zu, als wir wieder ablegen.

Die letzten 19 Km warten auf uns und dann auch noch die Unterbringung des Bootes. Zuerst müssen wir eine geeignete Stelle finden anzulegen und ob es alleine schon nicht genug wäre, soll es eine Stelle sein, wo wir den Tollpatsch bis zur Straße bringen können. Und wenn es geht, möglichst nahe zu der Fabrik, wo wir ihn dann für das Jahr unterbringen. Ein schweres Unterfangen, das habe ich schon bei der Planung von zuhause auf Google feststellen können. Sobald wir uns der Stadt nähern, sehen wir eine durchgehende, gebaute Mauer mit großen Steinen davor.

Ruse in Sicht

Da können wir nicht raus. Als letzte Rettung fahren wir Richtung Hafen rein, am Beginn der Bucht ist ein Yachthafen, ich gehe davon aus, dass wir schlimmstenfalls dort rauskommen, die Segler müssen auch ihre Boote irgendwie zum Wasser bringen können. Als wir uns dem Yachthafen nähern, sehen wir, dass es dort auch sehr steil ist und es gibt nur schmale, steile, wenig vertrauenserweckende Treppen nach oben. Es bleibt uns nichts anderes übrig. Anlegen müssen wir wieder im Schlamm, das sind wir schon gewöhnt. Zumindest ist hier der Schlammstreifen nicht so breit. Das liegt daran, dass es schnell steil wird. Unser Landdienst ist pessimistisch, weiß aber auch keine bessere Lösung. Um das Boot bis zur Straße zu bringen, müssen wir erst an einem schmalen Fußpfad zwischen einer Hütte und die steile Böschung durch, dann um 90 Grad die schmale Treppe hoch. Wir stellen fest, dass wir das Boot niemals in einem Stück hochbekommen werden. Zum Glück ist der Tollpatsch in der Mitte auseinander schraubbar. Wir machen uns an die Arbeit. Zum Abschluss gibt es paar Tropfen Regen vom Himmel. Wahrscheinlich ist die Luft so heiß, dass das Wasser vorher verdampft bevor es auf der Erde ankommt.

Auch mit dem halben Tollpatsch haben wir Mühe, das Boot hochzubekommen. Auf dem Boden in ca. 20 cm Höhe sind Drahtseile gespannt, dann kommt der schmale Pfad, der ohnehin viel zu schmal ist für ein Ruderboot ohne Ausleger und obendrein wird der auch von einem großen und manchmal bösen Hund bewacht. Direkt im Anschluss die 90 Grad Wende und dann kommt die steile Treppe. Und das zweimal. Aber wir schaffen es. Der Hund versucht einen von uns anzugreifen aber zum Glück greift sein Herrchen ziemlich schnell ein. Trotzdem haben wir ein ungutes Gefühl beim Passieren.

Als wir endlich die beiden Bootshälften oben haben, müssen wir sie noch durch eine schmale Tür und dann über die Bahnschienen kriegen. Das sehen wir schon fast als Erholung gegenüber der vorherigen gefährlichen Passage. Dann kommen die beiden Hälften übereinander in den mitgebrachten Bootswagen und wir marschieren los auf der Straße, unser Bus folgt uns mit Warnblinker.

Bootstransport

Bis zu der Fabrik haben wir ca. einen guten Kilometer zu gehen. Wir sind überglücklich als wir dort unversehrt ankommen. Wir bekommen einen Hochdruckreiniger und können den Tollpatsch und alle anderen Utensilien einmal richtig sauber machen. Bei dem vielen Dreck dauert es seine Zeit. Wir sind aber noch nicht fertig. Wir müssen das Boot noch auf seinen vorgesehenen Liegeplatz bringen. Wie wir feststellen, auch kein leichtes Unterfangen, wir sind froh, dass das Boot ohnehin in zwei Teile ist. Wir müssen das Boot über eine Eisentreppe auf die erste Etage der Fabrikhalle bugsieren. Dann wickeln wir es in Folie ein, um es vor Staub zu schützen und dann sind wir endlich fertig mit der Arbeit. Wir selbst auch. Ab zum Hotel Anna Palace, eines der besten in der Stadt. Das haben wir uns verdient! Ab in die Dusche und welch ein Wunder … das erste Mal in Bulgarien eine abgetrennte Dusche, wo nach dem Duschen nicht alles unter Wasser steht. Herrlich. Wir sind so müde, dass wir es nur noch auf die Terrasse des Hotels schaffen und essen dort im Restaurant und fallen gleich ins Bett.

Hier die Zusammenfassung von Moritz: Samstag 20. Juli – Der letzte Tag. Entspannt ankommen, Ruse anschauen, und ausruhen. Das war unser Plan, das Wetter hatte sich das anders vorgestellt, 5 Km vor dem Ziel kam eine Gewitterwarnung, als wäre das noch nicht genug hatten wir keine Stelle zum anlegen, da wir das Boot ja noch auseinanderbauen, und in einer Fabrikhalle unterbringen mussten. Na gut, also doch wieder in den Schlick. Nach einem gewagten Tragemanöver, das unter und über Seile, über Bahnschienen und eine steile Treppe hoch ging, hatte wir es geschafft. Jetzt hatte sich der Tollpatsch eine ordentliche Wäsche verdient, bevor er eingepackt in seinem Liegeplatz für das kommende Jahr unterkam.
Am Ende hatten wir eine aufregende, abenteuerliche Wanderfahrt, die jedem eine Menge Spaß gemacht hat!

Heimreise 21.-22. Juli – Am nächsten Tag nach dem Frühstückbuffett (endlich nicht abgezählt!) machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch Ruse. Wir sind beeindruckt, es ist eine historische Stadt mit alten Gebäuden und viel Kultur. Auf dem Rückweg wollen wir an der Donau zurück um nach einem besseren Platz für das Ablegen nächstes Jahr zu suchen. Wir finden nicht mal den Weg zum Ufer. Es ist alles eine Baustelle, wir fragen eine einheimische Passantin. Sie erzählt uns, dass die Baustelle schon seit Ewigkeiten da ist und es geht nichts voran. Die Stadt hätte vor Jahren angefangen diese Ufermauer zu errichten, selbst der kleine Badestrand, der zuvor die einzige Möglichkeit für ein Bad in der Donau war, wurde vernichtet. Wir sehen trotzdem Einheimische, die trotzdem auf dem Beton ein Sonnenbad nehmen. Ins Wasser kommen sie allerdings nicht mehr. Traurig. Wir laufen ca. 2 Kilometer am Uferweg zurück, finden aber überhaupt keine Stelle für unser Boot. Als wir Mittags losfahren, machen wir noch einen kleinen Umweg um weiter Flussabwärts nach einer Ablegestelle zu suchen. Ca. 10 km außerhalb würde es schon gehen aber dann fehlt uns dieses Stück von der Donau … bis nächstes Jahr haben wir noch Zeit zum Überlegen.

Wir fahren über Rumänien zurück, die Strecke ist bisschen kürzer und auch geringfügig schneller. Wie müssen sehr viel über Landstraße fahren, die Autobahn ist noch nicht fertig gestellt. Das zieht sich. Teilweise bildet sich auch Stau, keiner weiß warum. Aber in die Gegenrichtung ist es noch schlimmer. Wir möchten gerne schon in Ungarn übernachten, Szeged ist eine schöne Stadt. Eine Studentenstadt, berühmt von der Paprika u.a. und der Theiß fließt dort durch. Noch ein Fluss, den man rudern kann 😉 Dafür haben wir allerdings keine Zeit mehr. Wir kommen ziemlich spät an, gehen noch schnell etwas essen und dann gleich ins Bett, denn am nächsten Morgen wollen wir um 8 Uhr losfahren. Ab hier ist es durchgehend Autobahn, dennoch brauchen wir noch 10 Stunden bis nach Prien. Und das ohne Bootsanhänger. Nach dem Ausräumen reinigen wir unseren gemieteten Bus noch gründlich, auch innen müssen wir die toten Mücken entfernen und gründlich durchsaugen. Anja fährt den Bus noch nach München und gibt ihn dort ab.

Wieder eine unvergessliche Wanderfahrt mit vielen neuen Eindrücken, atemberaubend schönen Donauabschnitten, vielen netten Einheimischen und einer tollen Reisegruppe. Und die 680 Kilometer haben wir ohne Zwischenfälle gemeistert, bis auf eine verlorene Radkappe ist nichts passiert. Wir freuen uns schon aufs nächste Jahr, auf den letzten Donauabschnitt, wo wir dann hoffentlich wohlbehalten das Schwarze Meer erreichen.

 

 

 

 

 

Die jährlichen ChiemseeRundfahrten

Seit Jahren bereits ein fester Termin im Kalender sind die Chiemsee-Rundfahrten mit Übernachtung in Chieming. Am späten Freitagnachmittag geht es nach Chieming und von dort am Samstagmorgen über Gollenshausen zurück nach Prien. Im Juni spielte das Wetter nicht ganz so mit, so dass es bei einer Runde Rudern in Prien blieb und nur der gesellige Teil nach Chieming verlegt wurde. Ganz anders dann am 23./24. August. Da ging es mit Haselbach und Lausbub und Biggi, Christoph, Julia, Inken, Matthias, Regina, Friedrich, Viktoria, Eszter und Mati über den See. Zwar gab es einigen Wellengang und etwas Regen, aber nichts was die Mannschaften nachhaltig schreckte. Ein Sprung in den See in Chieming und das traditionelle Abendessen beim Italiener mit Seeblick machten alles wieder wett. Ebenfalls liebgewonnen, Rosinensemmeln, Butterbrezen und ein Heißgetränk am Samstagmorgen bevor es dann auf die Rückfahrt ging, mit leicht veränderter Besetzung. Statt Inken und Viktoria, die sich am Freitag noch auf den Heimweg machen mussten, saßen Georg und Anja mit im Boot. Ein spiegelglatter See machte die Tour zum absoluten Vergnügen. Das zweite Frühstück in Gollenshausen auf der Terrasse war dann ein gelungener Abschluß bevor die Tour gegen Mittag in Prien wieder endete. Anja Franke 

Riemen-Inn-Wanderfahrt von Perach nach Obernberg

In den Genuss die komplette Inn-Tour von knapp 50 km mit den Riemen zu bestreiten kamen die sechs Ruderer Lilli, Martin, Wolfgang, Klaus, Georg und Sylvia im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Genuss dehnte sich selbstverständlich noch weit über das Rudern hinaus, da das Wetter mitspielte, eine stets traumhafte Kulisse vorbeizog und die vom Fahrtenleiter Martin organisierten Unterkünfte, sowie Speis und Trank insgemein wunderbar ausfielen. Ein herzliches Dankeschön dafür!
Begonnen wurde die idyllische Fahrt Freitag nachmittags in der August-Sonne hinter der Staustufe Perach. Mutig wurde das Boot Haselbach von dem ersten Team – wovon es für drei Ruderer die erste Wanderfahrt überhaupt war – mit den Riemen bestückt.
Der Einstieg vom Nebenarm in den Inn gestaltete sich etwas mühsam und für Georg nass, als er beherzt ins brusthohe Wasser stieg, um die bis dahin nicht einsehbare Zufahrt von dicken, verkeilten Treibholz-Ästen zu befreien. Schließlich eingefädelt auf dem rasch fließenden Inn, nach ein paar Tipps vom Bootsobmann Martin und ein paar vorsichtigen Zügen, verlief die weitere Fahrt dann zügig und als Riemen-Tour äußerst teamorientiert und harmonisch. Entlang der unberührten Natur ruderte die Mannschaft bis Marktl, wanderte dann, den Namen in aller Hinsicht gerecht werdend, 2 km in die Ortschaft, um frühzeitig am nächsten Morgen wieder aufzubrechen. Die im Hänger mitgebrachten Skulls blieben in diesem verbannt. Auf etwa der Hälfte der Strecke hieß es die Staustufe in Braunau zu umtragen und von da weiter bis nach Ering, wo sich die Mannschaft im Biergarten des Schloss Frauenstein mit fantastischem Blick auf das Wasser stärken konnten. Als das Boot sicher verstaut war, ging es zu Fuß über das Stauwehr – die Grenze Österreich/Deutschland querend – zur Übernachtung in das kleine, geschichtsträchtige Örtchen.
Die letzte Etappe erstreckte sich auf dem nun allmählich breiter werdenden Inn bis nach Obernberg, wo eine letzte, schmale Ausstiegsrampe gemeistert wurde, bevor das Ruder-Team sich, glücklich und zufrieden der gemeinsam geschafften Aufgabe nach einem gemütlichen Steckerlfisch-Essen, auf den Heimweg machte.
Sylvia Motz

Osterwanderfahrt 2019 – Main&Rhein

Traditionell starteten

wir auch dieses Mal unsere Osterwanderfahrt an Karfreitag. Haselbach und Simssee abriggern, aufladen, Schwimmwesten durchzählen, Bootshaken, Schwämme und Schöpfer, etc. in den Hänger – was man halt‘ so braucht. Dann ging es für Regine, Charlotte, Regina, Friedrich, Klaus, Claudia, Martin und Anja Richtung München, um den gemieteten 9-Sitzer abzuholen, der uns die nächste Woche begleiten sollte und schließlich Richtung Marktheidenfeld. Der Osterverkehr staute sich erwartungsgemäß Richtung Süden, so dass wir ohne große Verzögerung gegen Nachmittag in Marktheidenfeld ankamen und die Boote fertig machen konnten während Moritz von Bonn kommend zu uns stieß. Den Hänger fuhren Martin und Anja dann noch nach Mainz, wo nach der Mainstrecke die Simssee aufgeladen werden sollte.
Am Samstag ging es dann zur Eingewöhnung auf eine kleine Strecke(22 km) mit zwei Sportbootschleusen in Lengfurt und Eichel, die problemlos auch von den Schleusenneulingen gemeistert wurden. Am Ostersonntag ging es dann von Wertheim über die Schleusen Faulbach und Freudenberg nach Miltenberg (32,4 km). Insgesamt eine sehr idyllische Strecke mit (osterbedingt) wenig Schiffsverkehr. Mittags konnten wir in Dorfprozelten einkehren. Miltenberg ist ein wirklich hübscher Ort mit viel Fachwerk und nach eigenen Angaben einem der ältesten Gasthöfe Deutschlands. Übernachtet haben wir dort im Hotel Mildenburg direkt am Main mit ganz tollen Gastgebern und gutem Essen, sehr empfehlenswert. Die Boote konnten wir beim Miltenberger Ruderclub lagern.

Eszter war am Abend zu uns gestoßen und so ging es am nächsten Tag mit etwas größerer Besetzung weiter nach Aschaffenburg (37,4 km) zum Ruder-Club Aschaffenburg. Frühes Aufstehen war angesagt, denn vier Schleusen standen an (Heubach, Klingenberg, Wallstadt und Obernau). Um Zeit zu sparen hatten wir es inzwischen aufgegeben, dass Haselbach und Simssee zusammenblieben. Das erste Boot, das schleusen konnte, fuhr direkt weiter zur nächsten Sportbootsschleuse, um dort im besten Fall die Schleusenkammer für das nachfolgende Boot gefüllt zu hinterlassen. Ein Mittagspicknick für alle gab es hinter der Schleuse Wallstadt. Das Team vergrößerte sich weiter mit Philipp, der am Abend in Aschaffenburg ankam. Am Dienstag lautete das Ziel Offenbach, wo wir beim Offenbacher Ruderverein anlegen konnten. Die Strecke von 46,6 km ging über die Schleusen Kleinostheim, Krotzenburg und Kesselstadt/Mühlheim. Mittags durften wir netterweise beim Ruderclub Möwe in Großauheim anlegen und picknicken.

Claudia musste am Dienstag leider zurück nach Prien, so dass wir uns am Mittwoch mit etwas kleinerer Besetzung die letzten 42 km auf dem Main in Angriff nahmen (mit den Schleusen Offenbach, Griesheim, Eddersheim, Kostheim). Beim Rüsselsheimer Ruder-Klub durften wir eine Mittagsrast einlegen. Und die letzte Sportbootschleuse schleusten Haselbach und Simssee gemeinsam. Über die gesamte Strecke waren mit dem Main auch die Sportbootschleusen größer geworden. Nach Verlassen des Mains noch ein kleiner Endspurt auf die andere Rheinseite und das Etappenziel, der Mainzer Ruderverein war erreicht. Regina, Friedrich und Charlotte mussten uns am Mittwoch leider verlassen, also wurde die Simssee abgeriggert und auf den Hänger verladen.
Während Martin, Moritz und Anja sich samt Hänger auf den Weg nach Bonn machten, um den Hänger ans Ziel der Reise zu stellen, machten die anderen die Haselbach mit Abdeckungen und Abklebungen fit für die Tour auf dem Rhein. Zu einem späten Abendessen mit Stachelbeerschorle waren alle wieder zusammen. Am Donnerstag ging es dann auf die erste Rheinetappe von 92,4 km. Für einige war es das erste Mal, so dass der rege Schiffsverkehr und die Wellen durchaus beeindruckten. Mit Martin hatten wir allerdings einen erfahrenen Steuermann im Boot, der uns ruhig und umsichtig steuerte. So ging es durch die Engstelle am Bingener Loch und vorbei an der Loreley bis zur Mittagsrast in St. Goar. Dort war ein derartiges Getümmel von Bergfahrern, Fähre und Ausflugsschiffen, dass für das Anlegemanöver noch einmal volle Konzentration angesagt war. Gestärkt ging es danach weiter bis nach Koblenz. Dort konnten wir beim Post-Sportverein anlegen.

Am Freitag schließlich dann die letzte Etappe der Fahrt (64 km), nach Bonn. Fazit: eine sehr schöne und vor allem abwechslungsreiche Tour. Auf der einen Seite der beschauliche Main, auf der anderen Seite der etwas anspruchsvollere Rhein, tolle Landschaften, ausgesprochen hilfsbereite Schleusenwärter, die uns mit der Großbootschleuse mitschleusten, wenn eine Sportbootschleuse nicht funktionierte, etc. Wir hatten dazu noch großes Wetterglück, so dass es ein rundum gelungener Start in die Wanderrudersaison 2019 war. Anja Franke

Wanderfahrt Mai 2018

Von Wallsee bis Wien

Unterhalb von Stift Melk

Wetterbedingt mussten wir im letzten Jahr unsere Osterwanderfahrt auf der Donau statt in Wien in Wallsee beenden. Im Sommer ging es dann bereits weiter von Wien nach Budapest. Einige von uns (auch die Verfasserin) waren die Strecke von Wallsee nach Wien noch nie gefahren. Daher sollte/musste diese Lücke in diesem Jahr geschlossen werden.
Gleich vorab, dieses Mal war das Wetter uns mehr als gnädig. Am 31. Mai (Fronleichnam) ging es für Martin, Barbara, Philip, Sebastian, Regine, Richard, Eszter und Anja Richtung Wallsee. Dieses Mal sehr gemütlich, denn wir hatten keinen Bootstransport zu bewältigen. Netterweise konnten wir uns Boote vom Donauhort Wien leihen und mit Richard S. vom Donauhort hatten wir dazu noch einen sehr netten Ruderkameraden mit „im Boot“. Nach Aufriggern und Bootseinteilung starteten wir in einem Vierer und einem Dreier, jeweils fußgesteuert, bei der Sportunion Wallsee. Highlight des Tages war neben einer sehr schönen Ruderstrecke von insgesamt 48 km die Mittagsrast im Gasthof am Hößgang. Auf einer kleinen Anhöhe gelegen, mit tollem Blick auf die Donau, waren wir eine ganze Zeit lang die einzigen Gäste in einem netten Gärtchen mit amüsantem Gastgeber. Nach einem langen und guten Essen, ging es wieder auf die Donau auf die zweite Etappe des Tages, die in Pöchlarn, beim RV Pöchlarn endete. Beim Abendessen hatten wir wieder einen schönen Blick, dieses Mal auf das Kloster Melk. Bei einem kleinen Verdauungsspaziergang zum Kloster wurde dann eine Planänderung für den nächsten Tag besprochen: ein Klosterbesuch sollte es sein. Nach dem Besuch des Klosters Melk ging es auf dem Wasser weiter. Ankunft war an diesem Tag nach 42 km in Stein a.d. Donau der Steiner Ruderclub. Zum Abschluss sollten es am nächsten Tag 70 km sein, mit einer sehr schönen Teilstrecke im Altarm und etwas Umtragen. Nach einer Mittagsrast im Zentrum von Tulln ging es zum Tages- und Wanderfahrtsendspurt und Zieleinlauf beim Donauhort Wien. Eine tolle Tour!
Anja Franke

Osterfahrt auf dem Main 2018

von Viereth nach Marktheidenfeld

Die Osterwanderfahrt fand heuer auf dem Main statt. Mit einer Gesamtruderstrecke von 203 km und durchschnittlich etwas über 30 km pro Tag versprach die Tour gemütlich zu werden. Wir starteten am Karfreitag mit dem Bootstransport von Prien zunächst Richtung Viereth und Sand am Main, wo wir bis Ostersonntag übernachteten. Der erste Rudertag begann wettertechnisch recht kühl, so dass am späten Nachmittag gleich noch eine Shoppingtour in Schweinfurt hinzugefügt wurde – eine Wintermotorradkombi für die Steuerleute machte unsere Ausrüstung für die nächsten Tage komplett. Sie leistete an einigen Tagen gute Dienste, wobei wir uns an anderen Tagen auch wunderbar in die Sonne setzen konnten. In den nächsten Tagen führte uns die Tour die Mainschleifen entlang über Haßfurt, Schweinfurt, Nordheim, Ochsenfurt, Karlstadt und Lohr bis nach Marktheidenfeld. „Uns“, das waren Klaus, Regine, Sonia, Eszter, Anette, Martin und Anja, wobei sich Sonia und Anette die Strecke teilten. Ein Highlight waren neben der Landschaft die Schleusen. Insgesamt waren 18 Schleusen zu überwinden. Fünf davon am Mittwoch auf dem Weg von Ochsenfurt nach Karlstadt. Große Schleusen mit mehreren Kammern und kleine Sportbootschleusen mit manueller Bedienung. Und schon wurde aus „gemütlich“ schnell einmal „jetzt sportlich“. Nach kurzer Zeit war klar, dass es durchaus komfortabel sein konnte, mit einem der großen Schiffe zu schleusen. Damit das klappt, hieß es das eine oder andere Mal „dranbleiben“, um auch bei der nächsten Schleuse mitschleusen zu können und nicht warten zu müssen. Nach zwei Übernachtungen auf der Weininsel verbrachten wir die letzten Tage in Karlstadt und starteten jeden Tag mit dem Bus von dort aus zu den jeweiligen Ruderetappen. Am Freitag ging es schließlich nach einer sehr schönen Woche zurück nach Prien. Anja Franke

Wanderfahrt Donau – Budapest vom 6. – 12. August 2017

(EH) Anfang August 2017 führten wir den zweiten Teil unserer Donaureise durch. Dieses Mal war der Streckenabschnitt von Wien bis Budapest dran. Im Vorfeld gab es noch einige logistische Aufgaben zu lösen, denn wir waren nicht nur mit zwei Ruderbooten unterwegs, sondern auch mit einem kleinen Motorboot (Baujahr 1935), das einst auf der Mosel als Pannenhilfsboot – abgekürzt „Pahibo“ – eingesetzt worden war. Da das Pahibo mit 2,8 Tonnen kein Leichtgewicht ist, konnte es nur von einem der uns zur Verfügung stehenden Autos mit dem Hänger gezogen und auch nur mit einem Kran ins Wasser gelassen werden. Nach einigen Vortreffen und Diskussionen war unser Logistikplan ausgereift und die Hin- und Rückfahrt inklusive Hängertransport und Abstellen am Zielort, sowie die teils unterschiedliche An- und Abreise der Teilnehmer perfekt organisiert. Um die Vorarbeiten zeitig zu erledigen, fuhren einige von uns bereits am Freitag, den 4. August nach Wien, um das Pahibo in die Donau zu kranen sowie die Ruderboote auf dem Vereinsgelände des Wiener Rudervereins Donauhort abzustellen und aufzuriggern. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle an die gastfreundlichen und hilfsbereiten Ruderer vom Donauhort, die inmitten ihrer umfangreichen Renovierungsarbeiten noch Platz für unsere Boote fanden. Dank auch für die Benutzung der exzellenten Steganlage, die wir im Laufe unserer Fahrt zu schätzen lernten und teils auch herbeiwünschten. Nach einem hervorragenden Abendessen in Rudi’s Beisl und einer, aufgrund der Hitze des Wiener Sommers von 35 Grad, sehr heißen Nacht in der Jugendherberge teilten wir uns am Samstag auf. Während vier von uns mit drei Autos und zwei Hängern nach Budapest fuhren, um je ein Auto und einen Hänger in den jeweiligen Zielorten abzustellen und dann mit einem Auto zurück nach Wien zu fahren, unternahmen einige Teilnehmer eine Shopping- bzw. Sightseeingtour in Wien und reisten vier weitere Ruderer von Prien mit dem Zug nach Wien. Am Abend trafen wir uns dann alle im Wiener Augarten zu einem gemeinsamen Abendessen, um uns bei immer noch heißen Temperaturen, aber leckerem Essen und kalten Getränken auf die Wanderfahrt einzustimmen. Später am Abend wurden die Temperaturen im Augarten angenehm, aber zurück in unseren kleinen Zimmern im 6. Stock der Jugendherberge war die Hitze des Tages wieder voll zu spüren. Der Wetterbericht hatte für den ersten Tag unserer Wanderfahrt etwas kühlere Temperaturen und Regen vorhergesagt. Das war zwar in unserer Unterkunft überhaupt nicht zu merken, aber endlich draußen an der frischen Luft konnten wir die Wettervorhersage bestätigen. Es war letztendlich ideales Ruderwetter mit bedecktem Himmel und wenig Regen. Bereits um 8 Uhr morgens waren wir auf dem Gelände des Wiener Rudervereins, wo wir unsere Boote startklar machten. Spätestens um 9 Uhr mussten wir in die Nussdorfer Schleuse einfahren, um durch den Donaukanal zu rudern, der durch die Wiener Innenstadt fließt. Für die telefonische Anmeldung beim zuständigen Schleusenwärter mussten wir sogar die Hilfe der Wiener Gendarmen, die sich zufällig dort aufhielten, in Anspruch nehmen, weil dieser unter keiner der zahlreichen Telefonnummern zu erreichen war. Zum Glück klappte es aber doch noch           rechtzeitig und wir konnten unsere Wanderfahrt auf der Donau endlich beginnen.

Das Ablegen erforderte unsere volle Konzentration, da die meisten von uns bisher wenig Erfahrung mit fließenden Gewässern hatten und die Strömung der Donau aus unserer Sicht beachtlich war. Aber mithilfe unserer erfahrenen Steuermänner, Martin und Matthias, meisterten wir sowohl das Ablegen als auch die Schleuse problemlos und wurden mit einer idyllischen Fahrt durch die Wiener Innenstadt belohnt. Außerhalb der Innenstadt änderte sich das Bild von Wien schlagartig. Es folgten dort kleine, schmale, auf Pfählen gebaute Fischerhäuser mit großen Netzen vor den Fenstern. Raus aus dem Kanal, auf der großen Donau mussten wir nicht nur auf die Strömung und auf große Fracht- und Passagierschiffe achten, sondern auch auf die Fahrrinnenbegrenzungsbojen, die für eine optimale Strömung vorne spitz zulaufen und für die bessere Sichtbarkeit eine beachtliche Größe aufweisen. Wie gefährlich diese im Zusammenhang mit der Strömung werden können, musste die Mannschaft des Tollpatsch leider erfahren. Sie machte nähere Bekanntschaft mit einer solchen Boje, die in einem Loch resultierte. Das Boot lief ziemlich schnell voll Wasser. Die Mannschaft fand sich dann auch noch in einer Strömung wieder, in der sie sich trotz voller Power nicht von der Stelle bewegen konnte. Zum Glück erreichte sie in letzter Minute das sichere Ufer und konnte anlegen. Der Schrecken war groß, aber zum Glück ist bis auf wenige Blessuren nichts Schlimmes passiert. Alle konnten weiterrudern und das Loch im Boot konnte mit Panzertape notdürftig aber stabil geflickt werden. Direkt bei der Anlegestelle (bei Km 1902l) war Zeit für unsere Mittagsrast, die wir in Humer´s Uferhaus (www.uferhaus.at), einem sehr guten Fischrestaurant direkt mit Blick auf die Donau in Orth, im Nationalpark Donau-Auen verbracht haben. Während der Pause gab es den letzten kurzen aber starken Regenschauer des Tages, der uns lediglich zum nachträglichen Trockenschöpfen der Boote veranlasste, bevor wir unsere Fahrt fortsetzen konnten. Weiter auf der großen Donau entdeckten wir das Pahibo, das am Rande der Fahrrinne die Strömung nutzte, um ein wenig schneller voranzukommen. Das Winken mussten wir unserem Steuermann überlassen, damit wir weiterrudern konnten. Ein kurzes Stück hinter Hainburg an der Donau liegt Burg Devin im gleichnamigen Städtchen auf Backboard. Das kleine Flüsschen March, das dort in die Donau mündet, bildet die Grenze Richtung Norden zwischen Österreich und der Slowakei, die dann Richtung Osten in der Donau weiter verläuft. Je nach dem also, auf welcher Seite wir auf der Donau entlang ruderten, waren wir entweder in Österreich oder in der Slowakei. Die Burg von Bratislava ist bereits von Weitem gut zu sehen. Dort lag auch unser Etappenziel für den Tag. Kurz vor Bratislava verläuft die Grenzlinie in Richtung Süden, so dass beide Uferseiten der Donau bereits zur Slowakei gehören. Nach 69 Kilometern auf der Donau, bei Km 1869r wartete die nächste Herausforderung auf uns: das Anlegen am Steg des Ruderclubs in Bratislava.

Der Steg lag in starker Strömung und große Schiffe fuhren auch recht nah daran vorbei. Darüber hinaus war er eine recht wackelige Konstruktion, auf dem höchstens Enten gerne weilten. Um den Steg vom Ufer aus zu erreichen, musste man über die Donau springen, denn es gab keine trockene Verbindung zwischen Steg und Ufer. Wenn man dann trockenen Fußes endlich auf dem Steg stand und auf den drei miteinander lose verbundenen und ziemlich rutschigen Stahlteilen entlang ging, hatte man spätestens bei Erreichen des zweiten Stahlteils nasse Füße, weil das Stegteil durch das Gewicht etwas absank. Dann stand man – je nach Gewicht – möglicherweise bis zum Knöchel in der Donau. Diese Probleme tauchten aber erst dann auf, wenn es einem in der starken Strömung gelungen war, das Boot zum Steg zu manövrieren und sich dann am Steg festzuhalten. Das Festhalten erforderte in der Strömung auch ziemlich viel Kraft und das Boot hielt nicht durch Einsetzen der Skulls, wie wir es vom Chiemsee gewöhnt sind. Beim Ausheben und Transportieren der Boote war volle Konzentration gefragt, um auf dem Steg nicht auszurutschen oder sich beim Sprung zum Ufer nicht zu verletzen. Aber zum Glück ging alles gut und wir konnten unser Quartier beziehen. Unsere Unterkunft war dieses Mal etwas Besonderes, das Hotel Dunajsky Pivovar. Wir übernachteten, passend zu unserem Fortbewegungsmittel, auf einem Schiff, das zu einem Hotel und Restaurant umgebaut worden war. Unsere Zimmer trugen keine Nummern, sondern Namen von Städten, die alle an der Donau liegen und aus unseren Zimmern – sogar durch ein rundes Schiffsfenster aus dem Bad – konnten wir auf die Donau und auf die Innenstadt von Bratislava schauen.

Manche von uns hatten vor dem Abendessen noch etwas Zeit kurz durch die Innenstadt von Bratislava zu laufen und so einen Eindruck von der Stadt zu bekommen, der sehr positiv ausfiel. Das Pahibo hatte derweil ebenfalls den Jachthafen von Bratislava erreicht. Da dieser auf dem Landweg mit dem Auto nicht so einfach zu erreichen war, beschloss unser Kapitän Dirk, sich in der Marina verköstigen zu lassen zumal er am nächsten Tag sehr früh aufbrechen musste, um die Strecke von ca. 120 km bis nach Komarno zu bewältigen. Die Ruderboote fuhren diesen Streckenabschnitt über zwei Tage auf einem kleinen Donau-Arm und es war der Plan, sich in Komarno wieder zu treffen. Das Pahibo musste auf diesem Stück eine große Schleuse bei Gabcikovo überwinden und wegen der Länge der Strecke wollten wir Dirk nicht alleine auf dem Pahibo fahren lassen. So sind Anja und Dirk früh morgens um 5 Uhr Richtung Komarno aufgebrochen. Als der Rest der Gruppe beim Frühstück war, erhielten wir die Nachricht, dass die Schleuse das Pahibo nicht durchlassen will, möglicherweise, weil der Motor nicht ausreichend Leistung hätte. Ob das wirklich der Grund war, wissen wir nicht, denn nach einem längeren Telefonat mit dem Schleusenwärter war dieser letztendlich bereit, das Pahibo zu schleusen, wenn es innerhalb von einer halben Stunde in Gabcikovo gewesen wäre. Da das Pahibo bereits auf dem Weg zurück nach Bratislava war und es (noch) nicht fliegen kann, entschied Kapitän Dirk, die Reise zu beenden und nach Bratislava in die schöne Marina zurückzukehren. Für Anja und Dirk wurde es dann ein langer Tag, denn in Bratislava angekommen fuhren sie mit dem Zug nach Budapest, um dort das Auto und den leeren Hänger zu holen. Sie trafen uns dann abends in Lipót (Ungarn), unserem nächsten Etappenziel. Auf uns wartete nach dem Frühstück auf dem Schiffshotel das Ablegen beim Ruderclub in Bratislava, das genauso herausfordernd war wie das Anlegen am Vorabend. Dank Philipp war der Steg allerdings nicht mehr so rutschig, weil er einen Besen besorgt und den Steg gründlich geschrubbt hatte. Währenddessen kippten wir das Regenwasser aus den Booten und bereiteten sie auf die Fahrt vor. Alle waren voll konzentriert und so klappte das Ablegen zum Glück problemlos. Die anfänglich starke Strömung ließ allmählich nach, da vor der Schleuse Gabcikovo die Donau zu einem richtig großen See aufgestaut worden ist. An diesem Tag mussten wir zweimal die Boote umtragen, das erste Mal – nach ca. 17 Kilometern – um in einen Seitenarm der Donau zu kommen. Das Befahren der breiten Staustrecke unterhalb von Bratislava einschließlich des Anlandens an der Betonrampe knapp hinter dem Museum in Cunovo (bei km 1852) war für uns bei mäßigem Gegenwind problemlos, auch weil unser Landdienst die Boote gebührend in Empfang nahm. Das Museum wurde auf einer Inselspitze inmitten der Donau gebaut. Bootswagen sind dort leider nicht zu finden, aber wir hatten vorausschauend unseren eigenen Bootswagen mit. Der Weg ist nicht weit. Man muss lediglich eine Straße überqueren und sieht dann auch schon den Seitenarm. Dass etwas Bewegung und Geräusche Fischen nichts ausmachen, durfte die Mannschaft des zweiten Bootes erfahren, die mit ihrem Ablegemanöver einem slowakischen Angler, der direkt an der Stelle sein Glück suchte, einen riesen Fang bescherte. Er war zwar anfangs ziemlich verärgert, da wir teilweise in seiner Angelschnur hängen blieben, aber eine halbe Minute nach unserem Ablegen hatte er einen ziemlich großen Fisch am Haken. Danach ging es sehr idyllisch weiter auf der kleinen Donau, die nach ca. 40 Kilometern in den Hauptarm mündet. Direkt nach den ersten paar hundert Metern auf der südlichen Uferseite erreichten wir Ungarn. Die lange Insel zwischen Seiten- und Hauptarm gehört noch zu Slowakei. Die Gegend ist ziemlich einsam, man sieht während der ersten Hälfte des Armes kaum Zivilisation. Für eine von uns war dieser Streckenabschnitt sogar schon „zu sehr meditativ“. Damit wir auf den ungefähr 8 Kilometern nicht einschliefen, hatten die Ungarn bei Dunakiliti eine Schleuse gebaut, um die kleine Donau zu stauen. Sie ist jedoch nicht mehr in Betrieb. Es war die zweite Umtragestelle, die wir meistern mussten. Spätestens jetzt zahlte sich die Mitnahme eines Bootswagens aus, weil man etwa einen Kilometer schiebend zurücklegen musste.

Im Schatten machten wir ein Picknick, da man außer einem kleinen Campingplatz nichts in der Gegend findet. Dorthin gingen wir dann auf einen Kaffee. Und bei einer Hitze von ca. 34 Grad, die nach dem einen Tag Abkühlung wieder ausgebrochen war, freuten wir uns über die Eistruhe des Campingplatzes und plünderten sie ziemlich. Nach der ausgiebigen Pause ging es genauso „meditativ“ und sehr idyllisch weiter auf der kleinen Donau. Nach ca. 17 Kilometern entdeckten wir einen Mast und dahinter eine Fähre, das Ziel unserer heutigen Etappe. Durch die Strömung hatten wir etwas Mühe den schmalen Wasserstreifen neben der wartenden Fähre und dem Land zu treffen aber nach wenigen Versuchen konnten wir anlegen. Unsere Unterkunft war in einem kleinen ungarischen Thermaldorf namens Lipót, wenige Kilometer vom Ufer entfernt. Unser Wellnesshotel „Orchidea“ verfügte nicht nur über ein Thermalbecken und eine Sauna, sondern bot auch für unsere müden Muskeln eine Massage an, die einige von uns sehr gerne in Anspruch nahmen. Andere entspannten in dem warmen Thermalbecken, während der Rest bei einem kalten Bier auf der Terrasse Entspannung fand. So sind wir anschließend alle völlig relaxed zum Abendbüffet erschienen, wo dann später unsere beiden Pahibofahrer – just on time, einige Minuten vor Büffetschluss – dazu stießen. Am nächsten Morgen brachen Martin und Dirk bereits sehr früh nach Bratislava auf, um das Pahibo aus der Donau zu kranen. Die Ruderer setzten ihre Fahrt auf der kleinen Donau fort. Die Fähre, von der wir vermutet hatten, dass sie mangels Passagiere immer dort weilt, hatte, mit wenigen Fahrzeugen beladen, einige Minuten vor uns abgelegt und so hatten wir dieses Mal viel Platz, um in unsere Boote zu steigen und abzulegen. Dass die Fähre doch nicht so oft fährt, stellten wir einige Minuten nach deren Ablegen fest, da sie anscheinend mit einem Schaden in der Donau stand während die Besatzung versuchte sie wieder zum Vorwärtskommen zu bewegen, zunächst erfolglos. So schauten uns die Fährpassagiere sehnsüchtig nach. Vermutlich hätten sie in diesem Moment gerne mit uns getauscht.

Nach ungefähr 15 Kilometern auf der kleinen Donau trafen wir auf den Hauptarm. Von der Mündung konnten wir noch sehr gut die einige Kilometer entfernt liegende, riesige Schleuse in Gabcikovo sehen. Auf der großen Donau hatten wir wieder mehr Strömung sowie Schiffsverkehr und so gingen die ca. 14 Kilometer bis Gönyü, wo wir unsere Mittagspause hatten, recht schnell vorbei. Bei Km 1791r legten wir an einem Kiesstreifen an und bekamen wenige Schritte weiter in einer kleinen, einfachen Kneipe etwas zum Trinken, während wir unser – von Rudi liebevoll eingekauftes – Picknick verspeisten. Kraft zu sammeln war auch wichtig für die folgenden ca. 24 Kilometern, denn durch den recht starken Gegenwind war es ziemlich anstrengend und langwierig das Ziel zu erreichen. Unsere Anlegestelle (bei Km 1767l) war dieses Mal in einem kleinen Jachthafen hinter dem Steg. Hier gab es mehrere Hürden. Zunächst musste die Einfahrt gefunden werden. Dafür sorgte unser Landdienst, der mit allen möglichen Mitteln auf sich aufmerksam zu machen versuchte. Dann war die Durchfahrt ziemlich eng, eine Herausforderung für die Steuermänner und -frauen. Die nächste Hürde war ein dickes und schweres Stahlseil, das den Steg mit dem Festland verband und in der Mitte knapp über der Wasseroberfläche hing. Um das zu überwinden half Dirk, der mit einem Bootshaken das Seil mit aller Kraft hochhielt, während die Boote darunter durchfuhren. Die letzte Hürde war, an der Rückseite des Steges anzulegen und über das Steggeländer aus den Booten zu klettern. Hier ein Foto zur Veranschaulichung:

Trotz mehrerer Hindernisse gelang alles einwandfrei und mit paar wenigen Schritten erreichten wir unser Hotel „Peklo“, wo die Dusche endlich auf uns wartete. Manche von uns sind auf eine kleine Erkundungstour durch die Stadt gegangen, andere hingegen haben auf der schönen Terrasse des Hotels gechillt und paar Bier getrunken. Am nächsten Morgen mussten wir dann schweren Herzens Abschied von Dirk nehmen, der sich entschieden hatte, das Pahibo-Lenkrad nicht gegen die Skulls zu tauschen und nach Hause zu fahren. Vorher half er uns aber noch beim Ablegen wieder das Stahlseil in die Höhe zu halten, damit wir mit den Ruderbooten gut herausfahren konnten. Nach 21 Kilometern (bei Km 1747l) erreichten wir auf der slowakischen Seite Moca (auf Ungarisch Dunamocs) für die Mittagspause. Die dortige Gaststätte „Moca Csárda“ bot auf unserer Route mit Abstand die beste Küche und die freundlichste Bedienung. Sie ist sehr zu empfehlen und über Facebook sowie telefonisch unter +421 35 785 1100 erreichbar. Sie liegt direkt an der Donau, hinter dem Damm, an dem der Wien-Budapest Radweg entlangläuft. Wir konnten im schönen Garten unter einem Sonnenschirm bestens speisen und uns ausruhen. Zum Schwimmen fanden Einige von uns vor dem Essen auch ein wenig Zeit und so konnten wir uns ein wenig abgekühlt an den Tisch setzen. Die restlichen 27 Kilometer des Tages konnten wir gut gesättigt und ausgeruht problemlos bewältigen. Unser Ziel an dem Tag war in Esztergom, der früheren Hauptstadt von Ungarn, mit der großen Basilika an der Donau. Die Basilika gilt als die größte Kirche Ungarns und steht auf Platz 18 der größten Kirchen der Welt. Sie ist von der Donau aus bereits von Weitem zu sehen, wie es das Bild zeigt:

In Esztergom legten wir am Steg des dortigen Ruderclubs (Esztergomi Evezösök Hajós Egylete, Email: esztene@t-online.hu) bei Km 1719,5r an und durften unsere Boote auf deren Gelände abstellen. Es gab einen sehr netten Kontakt zum dortigen Vorsitzenden, Gyözö Mármarosi, der uns auch viele gute Ratschläge für die Weiterfahrt gab. Vielen Dank an dieser Stelle. Unsere Unterkunft im Székely Guesthouse (www.szekelyvendeghaz.com) konnten wir in paar Minuten zu Fuß erreichen, dennoch fuhren die Meisten von uns bequem mit dem Auto. Sicherlich wegen den anstrengenden Ruderkilometern auf der Donau ;-) Nach der Dusche fuhren wir zur Basilika, um etwas Geschichte zu schnuppern – ihre Entstehungsgeschichte reicht bis 1001 zurück – und aus einer anderen Perspektive auf die Donau zu schauen, nämlich weit von oben:

 

 

Unsere nette Privatpension hatte einen sehr schönen Innenhof, wo wir den nächsten Tag mit einem reichhaltigen und leckeren Frühstück begannen. So fiel es uns nicht leicht aufzubrechen aber aufgrund der heißen Temperaturen, die erwartet wurden, war es dennoch ratsam früh loszurudern.

 

 

 

 

 

Nach dem Ablegen kam so starker Wind auf, dass die Hüte unserer Steuerleute im Wasser landeten. Einer der Hüte liegt jetzt nun für immer auf dem ewigen Grund der schönen Donau, den anderen konnten wir noch in der letzten Sekunde vorm Ertrinken retten. Durch den heftigen Gegenwind hatten wir es bald mit schaumgekrönten Wellen zu tun. Diesen konnten wir zunächst ausweichen, indem wir uns knapp am rechten Ufer hielten. Als dann aber die Inselspitze in Sicht kam (Km 1713), die steuerbord bleiben musste, und bald auch die angekündigten Strudel vor dem rechten Donau-Arm bedrohlich brodelten, war es der Umsicht und Erfahrung unseres Steuermannes Matthias zu verdanken, dass wir durch reichlich unruhiges Wasser das rettende Inselufer erreichten, fast ohne Wasser aufgenommen zu haben. Auch für unsere Wanderfahrtneulinge war es eine beachtliche Leistung, in ungewohnter Lage sauber und kraftvoll weiter zu rudern. Besonderes Lob an Schlagmann Rudi! Vor dem Donauknie wird die Landschaft merkbar hügelig und in der Ferne entdeckt man die Burg „Fellegvár“ bei Visegrád oben auf dem gleichnamigen Berg. Bei Km 1695r war unsere Mittagsrast direkt im Ort beim Fähranleger. Zum Glück war gerade kein Fährverkehr, als wir am Kiesstrand daneben anlegten, aber trotzdem mussten wir auf die Wellen durch vorbeifahrende Schiffe achten. Nach einem leckeren Mittagessen im Schatten des Restaurants „Kovács Kert“ fuhr der Großteil der Gruppe hoch zum Fellegvár. Nach Überwinden von einigen Treppen stellten wir fest, dass die Aussicht von dort aus nur gegen die Zahlung von Eintritt möglich war. Nachdem die Aussicht ein paar Kurven tiefer kostenlos war und der Rest der Burg nicht wirklich interessant erschien, fuhren wir zum Parkplatz, von wo aus die Aussicht auf die Donau und das Donauknie wunderbar zu genießen war, wie es das Foto beweist. Und das alles kostenlos und auch ohne Treppensteigen:

Dann ging es wieder zurück zu den Booten, um unsere Reise fortzusetzen. Wenige Kilometer nach dem Ablegen beginnt die Insel Szentendre, welche auf 38 Kilometer Länge den östlichen Donau-Hauptstrom von dem schmäleren Westarm trennt. Um unser Ziel, den Ort Szentendre nach 52 Ruderkilometern zu erreichen, mussten wir den schmalen Donau-Arm nehmen und hofften auf eine ruhige Fahrt ohne Wellen von der Berufsschifffahrt. Leider hatten wir uns zu früh gefreut. Berufsschifffahrt gab es tatsächlich nicht, aber die Insel ist ein beliebtes Ausflugsziel bei den Ungarn und bei den heißen Temperaturen auch entsprechend stark frequentiert, um der Hitze der Hauptstadt zu entkommen. Deshalb verkehren hier unzählige Motorboote, die teilweise Wasserskifahrer zogen, teils – wie es uns erschien – einfach nur die Damenwelt spazieren fuhren. Die meisten Damen sollten offensichtlich vom Können des Bootsfahrers beeindruckt werden und dementsprechend gaben sie richtig Gas, um uns möglichst schnell und teils auch möglichst nah zu passieren. Vom ruhigen Rudern war dadurch keine Rede mehr. Alle waren höchst konzentriert um in den Wellen noch einigermaßen gut und ohne viel Wasseraufnahme voranzukommen. Zum Glück ist die Insel lang und es gibt auch Uferbereiche mit wenig bzw. keiner Infrastruktur. Dort gibt es allerdings auch keine Sand- oder Kiesbänke, an denen man kurz für eine kleine Abkühlung in der Donau anlegen könnte. So blieb der schwimmwütigen Schreiberin dieser Zeilen nichts anderes übrig als direkt vom dahintreibenden Boot ins Wasser zu springen. Bei 39 Grad Celsius im Schatten eine willkommene Abwechslung. Das hat auch den Vorteil, dass man so sogar mit dem Strom schwimmen kann und wenn man wieder einsteigen möchte, wartet man, bis das Boot vorbeitreibt. Gegen den Strom zu schwimmen gleicht nämlich an manchen Stellen an ein unendliches Bewegen ohne Vorankommen, sobald man sich ein wenig vom Ufer entfernt. Einige Kilometer vor Szentendre wird es wieder unruhiger, die Anzahl der Erholungsuchenden und somit auch die der Motorboote erhöht sich schlagartig. Am Westufer des schmaleren Donauarms liegt die Stadt Szentendre mit ihren barocken Häusern, schmalen Gassen, einigen Künstlern und noch mehr Touristen. Die Stadt ist wirklich sehenswert, alles ist fußläufig zu erreichen und in den vielen Cafés, Bars und Restaurants kann man sehr gemütlich draußen sitzen. Wenn es dunkel wird, werden die Häuser teilweise bunt beleuchtet und auf dem Hauptplatz leuchten die riesigen Lampenschirme, die zwischen den Häusern an einer Schnur in der Luft hängen. In Szentendre blieben wir drei Nächte im Hotel Roz und haben unsere Ausflüge von hier aus unternommen. Das Hotel liegt zwar sehr nahe zur Anlegestelle (bei Km 1670r) und auch zu den Zügen nach Budapest, ist aber trotzdem nicht zu empfehlen, die Qualität der Zimmer – insbesondere der Bäder – ließ zu wünschen übrig und der Besitzer ist zwar übertrieben freundlich, im Grunde aber falsch und hinterlistig. Am nächsten Morgen brachen wir wegen der zu erwartenden Hitze sehr früh auf und ruderten mit Windstille auf einer wirklich ruhigen Donau – die Motorbootfahrer schlafen noch – nach Budapest. Anfangs geht es für einige Kilometer durch den westlichen Donau-Arm. Es kommen weitere Verzweigungen, an denen wir uns immer westlich gehalten haben. Nach einer riesigen Autobahnbrücke über mehrere Donau-Arme erreicht man im Norden von Budapest den Hauptarm. An dieser Stelle reihen sich die Ruderclubs aneinander. Dann geht es an dem sog. Hajógyári-sziget weiter, wo seit mehreren Jahren Anfang August das Inselfestival veranstaltet wird. Da wir aber recht früh unterwegs waren, haben wir keine Musik gehört und auch keine Festivalbesucher am Ufer gesehen. Nach der Árpád-Brücke beginnt die bekannte Margareteninsel, eine autofreie Erholungsoase mitten in der Hauptstadt. Die Insel endet an der Margaretenbrücke und ab dort sieht man alle bekannten Sehenswürdigkeiten, die die Hauptstadt entlang der Donau zu bieten hat: das Parlament, die Kettenbrücke, die Zitadelle und ganz rechts auf dem Bild oben auf dem Berg, die Burg. Ein majestätischer Anblick besonders aus dem Ruderboot, da man sich auf der Donau neben den Passagierschiffen so klein vorkommt. Wir ließen uns auch eine Weile in der Strömung treiben, die Kulisse muss man auf sich wirken lassen. Zudem hatten wir auch noch eine Menge Zeit, weil die Schleuse, die wir nach der Rákóczi-Brücke im Süden von Budapest nehmen mussten, um zu unserem Ziel zu gelangen, erst um 11 Uhr Schleusenzeit hatte.

Einen weiterenVorteil hatte das frühe Aufstehen: Es verkehrten nur ganz wenige Schiffe zu der Zeit in der Hauptstadt; sehr angenehm, wenn man ohnehin durch die zahlreichen Sehenswürdigkeiten abgelenkt ist. Die Einfahrt in die Schleuse hätten wir fast verpasst. Zum Glück hatte aber der Landdienst unsere Steuerfrau angerufen und auf den Abzweig hingewiesen. Die Schleusung dauerte nicht mal 10 Minuten, was wir kaum glauben konnten. Wir nehmen an, dass der Wasserstand der Donau sehr niedrig war, weil der Höhenunterschied vor und nach der Schleuse nur ca. einen knappen Meter betrug. Offiziell wird nur bei einem Wasserstand der Donau von zwischen 2 und 6 Metern geschleust. Danach ging es noch ca. 4 Kilometer an der Csepel-Insel entlang, einer insgesamt 48 Kilometer langen Insel. Der Wind hatte zu dem Zeitpunkt ziemlich aufgefrischt, so dass wir ganz nah am Ufer entlang ruderten. Unser Ziel lag am Ostufer der Kleinen Donau, am „Müegyetemi“ Ruderclub, wo wir eine Woche zuvor den Hänger und eines der Autos stehen gelassen hatten. Wir wurden sehr freundlich empfangen und verluden sofort nach dem Abriggern die Boote. Ein herzliches Dankeschön an die Mitglieder des Ruderclubs, die uns so freundlich aufgenommen haben und die trotz wenigen Platzes unseren Hänger und Auto auf deren Gelände stehen ließen. Nicht weit davon entfernt am Ufer, konnten wir unseren Hunger in einem kleinen Imbiss sehr gut stillen. Die Küche und die Bedienung waren nicht auf so eine große Gruppe vorbereitet, dennoch haben sie alles super hinbekommen. Am nächsten Tag folgte noch eine Stadtbesichtigung in Budapest; dieses Mal aber ohne Ruderboote und dann ging es schon wieder zurück in die Heimat. Alles in allem war es eine sehr gelungene Wanderfahrt, mit herrlichem Wetter und Landschaften und angenehmen Streckenabschnitten, die auch gut in der Zeit zu bewältigen waren. Und unsere Mannschaft hat sehr gut zusammengepasst, wir hatten sehr viel Spaß miteinander und haben eine Menge erlebt. So sind wir unserem entfernten Ziel einen Schritt nähergekommen: eines Tages das Donaudelta mit Ruderbooten zu erreichen.

Meine erste Chiemsee – Wanderfahrt

Seit einem Jahr bin ich Neuprienerin und rudere in der Dienstagsgruppe bei Regina und Friedrich. Um andere Vereinsmitglieder kennen zu lernen, meldete ich mich kurzerhand zu einer kleinen Wanderfahrt an, der Chieming – Wanderfahrt am 30.06./01.07. 2017. Diese wird jedes Jahr von Brigitte und Christoph Duglos und Ute Weixelbaum organsiert. Ich war sehr neugierig und in freudiger Erwartung an dieser Wanderfahrt teilzunehmen. Am Freitag ging es dann los. Zunächst machte ich mich aber einmal mit den anderen Teilnehmern bekannt, mit Brigitte und Christoph, meiner Namensvetterin Ute, mit Lorenz (o), mit Anja und Dagny, mit Regine und Philipp, Regina und Friedrich kannte ich ja schon. Ich fühlte mich sofort sehr wohl. Pünktlich mit dem Eintreffen aller Teilnehmer öffnete Petrus allerdings seine Schleusen und dessen nicht genug, er schimpfte mal wieder die Menschheit mit Blitz und Donner. Sogleich wurden die unterschiedlichsten Wetter-Apps befragt, jede App sagte etwas anderes. Wir entschieden uns für die App, die sagte, dass das Gewitter nach ca. 30 Minuten durchgezogen ist und begannen das erste Boot fertig zu machen. Als es nach 30 Minuten noch immer stark regnete, beschlossen Lorenz (o) und ich die ersten 3000 km auf dem Ruderergometer zurück zu legen. Kurz, bevor es anstrengend wurde, gingen wir wieder zu den anderen, um zu erfahren, dass die Ruderwanderfahrt jetzt zu einer Autowanderfahrt nach Chieming gewandelt wird, um den geselligen Abend im „Al dente“ in Chieming wie geplant zu verbringen. Gesagt, getan, das Boot wurde wieder aufgeräumt, alle auf verschiedene Autos aufgeteilt und auf ging es nach Chieming zu Brigitte und Christoph und zu Ute. Alle bezogen Quartier bei den Dreien und wir hatten einen sehr schönen Abend im „Al Dente“. Dazu kamen noch Martin&Barbara, Johannes, Barbara und Sebastian, Wolfgang&Assunta, Gudrun, ebenfalls auf Autowanderfahrt. Der Abend fand seinen Abschluss bei Brigitte und Christoph. Hier hörte ich schöne Geschichten zum Beispiel von der letzten Gardalonga, die offensichtlich ein tolles Ereignis war und zwar bis zur Ausreichung der Essensgutscheine, ab hier lief es wohl ein wenig schief, und auch die Geschichte vom Grappa wurde zum Besten gegeben. Dieser wurde dann auch ausgeschenkt, Lorenz (o) sprach von einer Tradition, und er war sehr lecker…

Am nächsten Morgen wurden wir von Brigitte, Christoph und Ute mit einem tollen Frühstück verwöhnt. Der Blick zum Himmel sagte uns, es lohnt sich nach Prien zu fahren und einen neuen Versuch zu wagen zu rudern. So wurde es dann auch gemacht und als wir ankamen, warteten bereits die anderen, die am Freitag wieder nach Hause fuhren, auf uns. Petrus zeigte sein Ruderherz, die Sonne lachte, es war zwar etwas windig, aber nicht unmöglich zu rudern. Ziel war Gollenshausen, das Seehäusl. Drei Boote wurden zu Wasser gelassen und los ging es. Die Wellen waren zum Teil eine Herausforderung, aber nicht für den erfahrenen Chiemseeruderer. Ich hatte dagegen mehr Schwierigkeiten auf die manchmal sehr schnell wechselnden Bedingungen zu reagieren. Mein Heimatrevier, die Elbe in Dresden, ist zwar auch nicht einfach zu rudern, aber doch anders, ein Fluss eben. Der lange Abend steckte mir noch in den Knochen, der Grappa im Blut (Lorenz (o) verdaut Grappa offensichtlich besser als ich) und so beschloss ich auf der Rückfahrt einen Steuersitz einzunehmen. Gegen 14:00 Uhr waren wir wieder in Prien und so fand meine erste Chiemseewanderfahrt ihr Ende. Es war ein tolles Event, das Petrus mit seinen Kapriolen nicht sprengen konnte. Herzlichen Dank an Brigitte, Christoph, Ute und Anja für die super Organisation. Im August bin ich wieder dabei und dann wird nach Chieming gerudert. Ich versuche einfach meine alten Kontakte zu Petrus spielen zu lassen.

Ute Günther