OVB Prienathon 2026

Diesmal gewinnt das schnellste Boot
Der 21ste Prienathon bietet damit eine selten gewordene Überraschung
In jeder anderen Sportart, bei der Start, Ziel und Tempo eine Rolle spielen, wären solche Überschriften rätselhaft. Nicht so bei den Ruderern, zumindest wenn es um solche Regatten geht, wie das Langstreckenrennen Prienathon, dass der Ruderverein Prien jährlich auf dem Chiemsee international ausrichtet. Was so viel heißt, als dass auch Vereine aus Österreich dabei sind, was diesmal aus zwei Gründen für eine solche Überschrift gesorgt hat. Die Erklärung dazu kommt später, denn zunächst einmal muss man dem RVP zur gelungenen Organisation und zum idealen Wetter am Wettkampftag gratulieren.
Am Samstag, den 19. September ertönte pünktlich um 9,45 Uhr am Priener Strandbad das Signal zum Massenstart von dreiundzwanzig Doppelvierern mit Steuermann/frau. Immer wieder ist es ein besonderes Schauspiel, wenn an die 200 Skulls auf einen Schlag das Wasser aufpeitschen (heuer waren es exakt 184) und sich die Armada in breiter Front auf den 12 Kilometer langen Rundkurs macht. Jeder der vier Ruderer im Boot bedient zwei Skulls (der Laie sagt dazu Ruder oder Riemen, beides natürlich grundfalsch), daher der Begriff Doppelvierer, wobei dieser Bootstyp ursprünglich als Vereins-Wanderboot für gemischte Besatzungen konzipiert war, in dem Damen und Herren im selben Boot die Skulls bedienten, was den Regatten wie dem Prienathon einen sportlich besonderen Reiz gibt. Auch gemischte Jugendboote sind manchmal dabei, sicher eine gute Methode für die Nachwuchsarbeit im Verein. Olympisch gibt es den Doppelvierer auch, doch wie es sich gehört auf keinen Fall gemischt und ohne Steuermann oder -frau.
Nach einer guten halben Stunde wenden sich die Ferngläser am Start- und Zielpunkt Strandbad immer wieder zur südlichen Spitze der Herreninsel, denn dort müssen die ersten Boote auftauchen. Wer erkennt als Erster, welche Startnummer vorne liegt? Die Spannung steigt und der Blick auf den Zeitmesser zeigt jetzt schon: das wird wieder eine gute Zeit für das erste Boot. Das wird allerdings mit einer guten Bootslänge von einem Verfolger bedrängt, der Zieleinlauf wird also richtig spannend. Mit der Zeit von 0:51:06 ging dann aber die Nummer 9 vom RV Wiking aus Bregenz durchs Ziel, dicht gefolgt mit 0:51:09 vom Boot Nummer 22 des Dresdner Rudervereins – das dann aber bei der Siegerehrung doch nur auf Platz 4 landete, während das Boot aus Bregenz den Regattasieg einheimste und Platz 2 vom Ruderverein Prien gewonnen wurde mit der viertschnellsten Zeit. Damit wird es Zeit, das Platzierungs-Rätsel zu lüften: es heißt „Welser System“ und wird nicht nur beim Prienathon angewendet. Von Ruderern aus Wels an der österreichischen Traun ausgedacht, sorgt es bei gemischten Besatzungen und unterschiedlichem Alter nach einer verständlichen Formel für ein faires Ergebnis. Die zeitschnellsten Bregenzer hießen Günther Wetschnig, Ingrid Natter, Klaus Floriani und Ute Denkenberger und hatten einen größeren Altersschnitt als Jens, Ingo, und zweimal Thomas aus Dresden. Demnach hatten vier relativ junge Männer gegen drei taktisch gut aufgestellte Mixbesatzungen das Nachsehen. So also geht Fairness bei den Ruderern und Ruderinnen und wer die heiter familiäre Kameradschaft auf Augenhöhe bei der Abschlussfeier miterlebt hat, fragt sich: Warum gibt es nicht mehr solche Formeln? Wir könnten sie brauchen.
Nochmal kurz zum zweiten Platz für Prien. An den Skulls: Saskia Halbach, Marion Schäder, Eszter Hauer und Richard Sellinger, Steuerfrau Klara Maria Hanft. Ein einziger Mann an Bord scheint zu reichen.
















